23/05/2025
Wer einen Job macht, der glücklich macht, braucht nie mehr zu arbeiten. Das habe ich oft gehört oder gelesen und dachte, dass ich nach Nachtwache, Produktionshelfer und Umzugshelfer dann im Rettungsdienst endlich mein Glück gefunden hätte. -Wenn Du Dienst hast, und nicht alarmiert wirst, weißt Du, dass es den Menschen in Deiner Umgebung gut geht. Wenn Du zu einem wirklichen Notfall gerufen wirst und vor Ort professionell und erfolgreich helfen kannst, ist das ein gutes Gefühl. Wenn sich dann ein Patient nach der Genesung persönlich bedankt, ist das ein superglückliches Gefühl, welches mir dann auch die Tränen in die Augen treibt. Ich dachte, ich hätte es gefunden.
"Du hast mir die Angst davor genommen, etwas falsch zu machen!", "Ich habe das schon so oft gehört, aber diesmal habe ich es endlich verstanden!" - Ja, das höre ich wirklich oft nach meinen Erste Hilfe Kursen oder nach den Schulungen, die ich für Kolleginnen und Kollegen in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern durchführe und das macht mich glücklich. Genau so glücklich bin ich über das viele positive Feedback, welches mich in regelmäßigen Abständen über alle meine tollen Dozentinnen und Dozenten erreicht.
Das absolute Arbeitsglück, die perfekte Kirschblüte habe ich vor kurzem in einem Kurs erlebt. Es ist ein Glück, von dem ich lange zehren kann:
Bei einem Kurs saßen mehrere Teilnehmende, die bereits vor zwei bis drei Jahren einen Erste Hilfe Kurs bei mir hatten. Die Thematik ist ja bekannterweise immer die gleiche und oftmals sind Menschen, die den Kurs öfter machen müssen, weil sie ihn beruflich benötigen nicht sonderlich motiviert wenn das Thema Erste Hilfe auf dem Plan steht aber dieser Kurs war komplett anders und hat dazu geführt, dass ich mehrfach emotional schwierigkeiten bekommen habe, die Tafel zu sehen oder die Teilnehmenden anzuschauen. (Glückstränen wirken beim Kunden möglicherweise unprofessionell - aber absolut menschlich)
Ein zentraler Punkt ist das Erkennen von Notfällen und damit natürlich auch die Sofortmaßnahme "Stabile Seitenlage". Wie sooft habe ich mich auch hierbei wieder von einer Teilnehmerin unterstützen lassen. Ich habe sie "bewusstlos" auf dem Boden platziert und habe anschließend ins Plenum gefragt, wie man Bewusstlosigkeit erkennt und was dann wohl die richtige Maßnahme ist.
Lisa ist aufgestanden, hat die Person gerüttelt, die Atmung kontrolliert und perfekt in die stabile Seitenlage gelegt. Sie hat nicht gezögert und wollte sogar den Notruf absetzen.
Lisa ist ein besonderer Mensch. Sie ist mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen und wirkte im Kurs bis zu diesem Zeitpunkt sehr ruhig (um nicht zu sagen: desinteressiert) aber ich habe sie komplett unterschätzt. Sie hat an alles gedacht und es wirklich perfekt ausgeführt und als ich sie gefragt habe, woher sie das kann hat sie mir geantwortet: "Das hab ich doch vor zwei Jahren bei Dir gelernt!"
Ich war so perplex und so glücklich und ich habe sie unglaublich gelobt und sie hat mir dann erklärt, dass Helfen doch selbstverständlich ist.
Lisas kleine Aktion war ein richtiger Brustlöser in einem eh schon besonderen Kurs, bei dem fast ausschließlich Menschen teilgenommen haben, die die unterschiedlichsten körperlichen oder kognitiven Einschränkungen hatten. Menschen, die aufgrund ihrer Besonderheiten nicht am ersten Arbeitsmarkt teilhaben können. Da heißt es beispielsweise Lernbehinderung aber Mike wusste auf so unglaublich viele Fragen eine Antwort - und die waren alle richtig! Ich habe wundervolle (und endlich mal korrekte) Druckverbände gesehen, ohne vorher viel erklären zu müssen und auch bei der körperlich anstrengenden Reanimation (die bei meinen Kursen aufgrund der großen Phantomanzahl für alle Teilnehmende deutlich länger dauert) haben alle fantastische Ergebnisse erzielt. Beatmung? Überhaupt kein Problem!
Liebe Beschäftigte der Lebenshilfe, ich habe Euch unterschätzt! Ich habe Euch wegen Äußerlichkeiten unterschätzt! Ich habe Euch unterschätzt, weil ich es nicht besser wusste, vielleicht auch, weil ich nicht so Weltoffen bin, wie ich immer gedacht habe. Ihr habt mir gezeigt, dass die Arbeit, die ich mache wichtig ist und Ihr habt endgültig dafür gesorgt, dass ich nie wieder arbeiten muss, weil mich das, womit ich mein Geld verdiene einfach liebe.
Dieses Glück, dieses Arbeitsglück wünsche ich allen besonderen Menschen, ich wünsche es allen Menschen, die versuchen, durch Versuchen oder Handeln diese Welt ein bisschen besser zu machen. Ihr habt mich berührt und besser gemacht! Vielen Dank dafür!