12/06/2026
Freytagsgedanken 🐾
In den letzten Tagen habe ich wieder viele Diskussionen über Lerntheorien gelesen.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beschäftigt mich eigentlich etwas ganz anderes.
Was passiert, wenn wir einen Schritt zurücktreten?
Wenn wir für einen Moment nicht darüber diskutieren, welche Methode die bessere ist, welche Form der Verstärkung die richtige oder welche Lerntheorie das Verhalten am treffendsten erklärt?
Was passiert, wenn wir den Blick weiten?
Ich frage mich manchmal, ob wir in der Hundewelt so sehr auf das Verhalten schauen, dass wir leicht vergessen, dass hinter jedem Verhalten ein lebender Organismus steht.
Vielleicht liegt es daran, dass Verhalten sichtbar ist. Es springt uns förmlich ins Auge. Der Hund zieht an der Leine, bellt andere Hunde an, wirkt unruhig oder zieht sich zurück. Das können wir beobachten. Darüber können wir sprechen. Dafür können wir Erklärungen finden.
Was wir nicht sehen können, ist das, was darunterliegt.
Wir sehen nicht, wie viel Energie es den Organismus vielleicht gerade kostet, überhaupt durch den Alltag zu kommen. Wir sehen nicht, ob der Körper mit Entzündungen beschäftigt ist, ob Schmerzen vorhanden sind oder ob ein Hund seit Wochen keinen wirklich erholsamen Schlaf findet. Wir sehen nicht, ob das Nervensystem ständig auf Empfang steht oder ob die vielen kleinen Regulationsprozesse im Hintergrund gerade aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich zunehmend beschäftigt.
Wir sprechen häufig darüber, wie Lernen funktioniert. Deutlich seltener sprechen wir darüber, welche Voraussetzungen überhaupt vorhanden sein müssen, damit Lernen stattfinden kann.
Denn Lernen geschieht nicht losgelöst vom Körper, ein Hund lernt nicht nur mit seinem Gehirn, sondern der gesamte Organismus ist daran beteiligt.
Je länger ich Hunde begleite, desto häufiger erlebe ich Situationen, in denen die spannende Frage gar nicht lautet: „Wie trainieren wir dieses Verhalten?“
Sondern vielmehr:
„Wie geht es diesem Hund eigentlich?“
Ist er in der Lage, sich zu regulieren?
Kann er zur Ruhe kommen?
Hat er ausreichend Ressourcen zur Verfügung, um sich anzupassen, Neues zu verarbeiten und mit Herausforderungen umzugehen?
Genau deshalb faszinieren mich die Themen Gesundheit, Darmgesundheit, Nervensystem und Verhalten inzwischen so, denn sie lenken den Blick auf den Teil des Eisbergs, der unter der Wasseroberfläche liegt.
Und manchmal habe ich das Gefühl, dass dort die eigentliche Geschichte beginnt.
💚