15/07/2026
Warum die Tollwutimpfung für Hunde auch ohne Auslandsreisen sinnvoll bleibt
Viele Hundehalter sind überzeugt: "Wir fahren nicht ins Ausland – also braucht unser Hund auch keine Tollwutimpfung."
Auf den ersten Blick klingt das logisch, denn schließlich gilt Deutschland seit 2008 als frei von der klassischen Fuchstollwut. Doch genau diese Aussage führt häufig zu einer gefährlichen Fehleinschätzung: "Tollwutfrei" bedeutet nicht, dass das Tollwutvirus hierzulande keine Rolle mehr spielt.
Zwei aktuelle Ereignisse zeigen eindrucksvoll, warum das Thema nach wie vor ernst genommen werden sollte:
Vor wenigen Tagen sorgte ein besonders tragischer Fall aus Ontario (Kanada) für Schlagzeilen. Ein elfjähriger Junge wachte während eines Aufenthalts in einem Ferienhaus mit einer Fledermaus auf seinem Gesicht auf. Da weder Biss- noch Kratzspuren sichtbar waren, gingen die Eltern von keiner Gefahr aus und suchten keine medizinische Hilfe auf.
Erst knapp drei Wochen später entwickelte der Junge neurologische Symptome. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät: Er starb an Tollwut. Die behandelnden Ärzte veröffentlichten den Fall gemeinsam mit der Familie, um auf die oft unterschätzte Gefahr von Fledermauskontakten aufmerksam zu machen.
Der Fall verdeutlicht ein tückisches Problem: Fledermausbisse sind aufgrund der feinen Zähne häufig kaum sichtbar und werden deshalb leicht übersehen.
Viele Menschen verbinden Tollwut ausschließlich mit Füchsen oder streunenden Hunden im Ausland. Tatsächlich wurde die klassische terrestrische Tollwut in Deutschland erfolgreich ausgerottet.
Was jedoch oft vergessen wird: Europäische Fledermäuse können sogenannte Lyssa-Viren tragen. Diese Erreger gehören zur Tollwutvirus-Gruppe und verursachen bei Menschen und anderen Säugetieren dieselbe nahezu immer tödlich verlaufende Erkrankung.
Wie aktuell das Thema ist, zeigt ein Nachweis aus Bayern: Im Landkreis Aschaffenburg wurden bei zwei Breitflügelfledermäusen das Europäische Fledermaus-Lyssavirus 1 (EBLV-1) nachgewiesen. Es handelt sich um den zehnten und elften dokumentierten Nachweis einer tollwutpositiven Fledermaus in Bayern. Die Behörden betonen zwar, dass kein Anlass zur Panik besteht – gleichzeitig warnen sie ausdrücklich davor, Fledermäuse mit bloßen Händen anzufassen oder Haustiere mit auffälligen Tieren in Kontakt kommen zu lassen.
Die Gefahr betrifft auch unsere Hunde, denn sie können beim Freigang oder Zugang zum Garten mit geschwächten oder am Boden sitzenden Fledermäusen in Kontakt kommen. Kranke Fledermäuse zeigen häufig neurologische Auffälligkeiten, sind orientierungslos oder flugunfähig. Dadurch werden sie für Hunde zu einer vermeintlich leichten Beute. Kommt es dabei zu einem Biss oder engem Kontakt, besteht grundsätzlich das Risiko einer Übertragung des Virus.
Eine vorbeugende Tollwutimpfung schützt damit nicht nur den Hund. Denn einmal von einer Fledermaus infiziert, kann er selbstverständlich auch die Menschen infizieren, die mit ihm in Kontakt kommen.
Die Tollwutimpfung gehört zudem zu den zuverlässigsten Impfungen in der Tiermedizin. Ein korrekt geimpfter Hund ist sehr gut vor einer Infektion geschützt.
Kommt jedoch ein ungeimpfter Hund mit einem tollwutverdächtigen Wildtier in Kontakt, können aufwendige behördliche Maßnahmen notwendig werden. Je nach Situation reichen diese von einer langen behördlich angeordneten Beobachtung, erheblichen Einschränkungen oder weiteren Maßnahmen bis hin zu vorbeugender Euthanasie entsprechend den geltenden seuchenrechtlichen Vorgaben.
Ein geimpfter Hund bietet dagegen deutlich mehr Sicherheit – sowohl für sich selbst als auch für seine Familie.
Was bedeutet das für uns Hundehalter?
Vorsicht vor Fledermäusen, besonders, wenn sie auffälliges Verhalten zeigen oder tagsüber am Boden liegen! Nicht mit bloßen Händen anfassen!
Wenn euer Hund mit Fledermäusen Kontakt hatte, bitte Rat des Tierarztes einholen!
Und: Tollwutschutz ernst nehmen, regelmäßig überprüfen und ggf. auffrischen!
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund in Deutschland an Tollwut erkrankt, ist glücklicherweise sehr gering. "Gering" bedeutet jedoch nicht "gleich null". Solange Fledermaus-Lyssa-Viren in Deutschland vorkommen, existiert ein Restrisiko. Die Tollwutimpfung bleibt deshalb auch für Hunde sinnvoll, die niemals eine Landesgrenze überschreiten. Sie schützt den Hund vor einer nahezu immer tödlich verlaufenden Erkrankung, erleichtert das Vorgehen im Ernstfall erheblich und trägt gleichzeitig zum Schutz von Mensch und Tier bei.
© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb
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