17/07/2026
Wenn heute über Fotobearbeitung gesprochen wird, denken die meisten an digitale Bildprogramme. Dabei wurde schon vor über 100 Jahren mit erstaunlichem Geschick retuschiert und neu montiert, ganz ohne Computer.
Dieses Reservistenbild der 3. Eskadron des 2. Hannoverschen Dragoner-Regiments Nr. 16 aus dem Jahr 1908 entstand nicht als Gruppenfoto. Die Reservisten wurden in kleinen Gruppen fotografiert, meist am selben Tisch. Anschließend schnitt man Personen und Gegenstände sorgfältig aus und arrangierte sie zu einer gemeinsamen Szene. Im Hintergrund sind die Lüner Kaserne und eine Ansicht Lüneburgs zu sehen.
Wer genau hinschaut, entdeckt die handwerkliche Kunst: gemalte Ergänzungen, kaschierte Übergänge und mehrfach verwendete Bildelemente. Perspektive und Größenverhältnisse sind nicht realistisch, dafür ist jeder Reservist gut zu erkennen. Analoge Bildbearbeitung in ihrer "schönsten" Form.
Bild 1: Reservistenbild (Ausschnitt), 1908. Fotomontage auf lithografiertem Untersatzkarton mit Ergänzungen. Originalgröße: 37,5 × 28,3 cm. Urheber: Wilhelm Riege.
Detail 2: Ein Teil der Lüner Kaserne verschwindet hinter einem gemalten Baum.
Detail 3: Beim Ausschneiden der Reservisten wurden einige Reservistenstöcke gekappt. Mit Pinsel und Farbe wurden sie anschließend ergänzt.
Detail 4: Derselbe Tisch taucht mehrfach im Bild auf.
Detail 5: Wo ursprünglich kein Boden war, half eine Schablone: Die Reservisten sitzen buchstäblich im getuschten Gras.