21/08/2026
4 Wochen Sommer.
Das Wasser ist glasklar. Als meine Füße eintauchen, malt die Sonne unaufhörlich kleine Lichtwellen auf den Grund und auf mich.
Wenn dann die Fingerspitzen die spiegelglatte Oberfläche berühren, ziehen sie Kreise, Achten, oben an der Wasserhaut und unten auf dem Seeboden.
Still und beweglich, mit dem hohen Schilf, stehe ich da. Ich ein Schilf, das Wasser, die kleinen goldenen Wellen,
die alles in Glitzer und Licht tauchen.
Kleine Fische kommen neugierig nahe,
und riesige Libellen jagen dicht über meine hochgesteckten Haaren.
Nass werden sie gleich werden,
wenn ich rausschwimme und draußen treibe,
auf dem Rücken, wie ein Seestern.
Früher hatte ich Angst vor dem Wasser,
vor allem vor dem tiefen Wasser.
Dort wo kein Grund mehr zu sehen ist und das Ufer weit.
Früher, weil ich da das Schweben noch nicht kannte.
Keiner hatte davon erzählt,
als wir auf dem kalten und nicht ganz sauberen Fliesen der städtischen Schwimmhalle Trockenübungen gemacht haben, Arme dann Beine.
Dann ins tiefe, immer viel zu kalte Becken.
Eine Bahn schaffen, nah am Rand, die Badelatschen des Mannes, der nebenherlief mit einer Metallstange, im Blick.
Ob er wirklich vor hatte, mich im Fall der Fälle damit raus zu angeln, blieb sein Geheimnis.
Vom Schweben wusste da jedenfalls niemand etwas.
Dabei ist man ohne Schweben im Tiefen aufgeschmissen. Dann kommt die Angst, vom immer weiter müssen, nicht mehr zu können, wenn die Kraft nachlässt,
der Angst es nicht zu schaffen,
die Angst vor der Tiefe und Weite.
Und mit dieser Angst steht man im schlechtesten Fall am Rand und schaut zu.
Dort stand ich früher, am Wasserrand
und auch ein Stück am Rand des Lebens.
Irgendwann hab ich selbst rausgefunden,
wie es geht, das mit dem Schweben im Wasser.
Auf dem Rücken, als Seestern
Leicht und getragen
und die Angst ist verschwunden.
Was eine Fußnote hätte sein können,
wurde für mich ein ganzes Kapitel.
Über das Wissen vom Getragen sein
und sich Tragen lassen.
Vom Vertrauen. In die Weite und die Tiefe.
Im Wasser und im Leben. Dort bin ich.