13/05/2026
𝐖𝐚𝐫𝐮𝐦 𝐒𝐜𝐡𝐦𝐞𝐫𝐳𝐞𝐧 𝐛𝐞𝐢 𝐓𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐨𝐟𝐭 ü𝐛𝐞𝐫𝐬𝐞𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐧
„Er zeigt doch gar keine Schmerzen.“ Ein Satz, den ich in der Praxis sehr häufig höre.
Und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen: Tiere zeigen Schmerzen oft anders, als wir Menschen es erwarten. Viele Hunde und Katzen, besonders aber Pferde, kompensieren Beschwerden erstaunlich lange. Evolutionsbiologisch ist das nachvollziehbar: Schmerzen offen zu zeigen bedeutete in freier Wildbahn „Schwäche“ und damit ein höheres Risiko.
Deshalb sehen wir häufig keine offensichtliche Lahmheit oder starke Reaktion, sondern eher subtile Veränderungen im Alltag.
Zum Beispiel:
• Bewegungen werden langsamer
• Sprünge werden vermieden
• Liegepositionen verändern sich
• Spaziergänge werden kürzer oder „unmotivierter“
• Treppen werden zögerlicher gelaufen
• Berührungen werden plötzlich weniger angenehm
Gerade chronische Schmerzen, z. B. bei Arthrose, entwickeln sich oft schleichend. Biologisch passiert dabei mehr als nur „ein Gelenk tut weh“: Durch Entzündungsprozesse und dauerhafte Belastung verändert sich das Schmerzsystem. Schmerzreize werden schneller verarbeitet, Muskulatur beginnt zu verspannen und Bewegungsmuster verändern sich. Der Körper beginnt letztendlich zu kompensieren.
Das Problem dabei ist allerdings, dass viele Tiere aufgrund ihrer Evolutionsbiologie zunächst „normal“ wirken.
→ Sie laufen, fressen und spielen ggf. sogar noch - allerdings bedeutet Funktion nicht automatisch Schmerzfreiheit.
In der Praxis sehe ich häufig Patienten, bei denen Besitzer erst im Nachhinein sagen: „Ich merke jetzt erst, wie eingeschränkt mein Tier eigentlich war.“
Besonders nach Beginn einer gezielten Therapie fällt oft auf, wie viel Bewegungsfreude, Mobilität oder Lebensqualität vorher bereits verloren gegangen war.