15/06/2026
„Man muss Menschen dort abholen, wo sie stehen. Aber man muss nicht mit ihnen dort stehen bleiben.“
Vielleicht liegt genau darin die Spannung, die ich in der Yoga-Welt gerade beobachte.
Das erste Extrem sagt:
„Yoga muss modern, lebensnah und zugänglich sein.“
Das zweite sagt:
„Yoga muss unbequem sein, traditionell sein und darf sich nicht nach den Wünschen der Menschen richten.“
Beide haben einen wahren Kern.
Natürlich kommen die meisten Menschen nicht ins Studio und sagen:
„Ich möchte mein Ego transzendieren und die Natur des Bewusstseins erforschen.“
Sie kommen wegen:
• Rückenschmerzen
• Stress
• Schlafproblemen
• Wechseljahren
• Verspannungen
• Einsamkeit
• Sehnsucht nach Ruhe
Und ganz ehrlich?
Das war schon immer so.
Auch in Indien sind Menschen nicht alle morgens aufgewacht und haben gedacht:
„Heute verwirkliche ich Moksha.“
Menschen suchen oft zuerst Linderung von Leiden.
Yoga beginnt häufig genau dort.
Die Frage ist nur:
Bleibt es dort?
Und da liegt für mich der Unterschied.
Ein Kurs kann zu Popsongs stattfinden und trotzdem Yoga sein.
Ein Kurs kann Sanskrit-Mantras enthalten und überhaupt kein Yoga sein.
Denn Yoga ist nicht die Verpackung.
Yoga ist die Ausrichtung.
Die eigentliche Frage lautet:
Führt die Praxis den Menschen näher zu sich selbst oder lenkt sie ihn nur angenehmer von sich ab?
Das ist für mich der entscheidende Punkt.
Wenn jemand nur konsumiert:
„Gefällt mir das?“
„Macht mir das Spaß?“
„Fühle ich mich wohl?“
Dann bewegt er sich vielleicht – aber er praktiziert nicht unbedingt Yoga.
Wenn jemand über einen Rücken-Yogakurs plötzlich bemerkt:
„Ich stehe ständig unter Spannung.“
„Ich kann nicht loslassen.“
„Ich renne die ganze Zeit.“
Dann beginnt Yoga.
Auch wenn kein einziges Sanskrit-Wort gefallen ist.
Wie siehst du das? 🫶🏼✌🏻🤍