26/05/2026
Ehrenamt mit Herz und Leidenschaft. Hier ein Bericht eines unseres Mitgliedes anlässlich des Fiaccolata Laufes 2026.
Andreas Ritthaler:
Morgen Abend darf ich in Schifferstadt die Fiaccolata entgegennehmen.
Ein Moment, auf den ich mich sehr freue und auf den ich auch ein wenig stolz bin.
Denn diese Fackel steht nicht einfach nur für eine Veranstaltung des Roten Kreuzes.
Sie steht für Menschlichkeit, Zusammenhalt, Hilfe für andere und für die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes, die mich mittlerweile seit über 40 Jahren begleiten und mein Leben geprägt haben.
Wenn ich heute zurückblicke, dann wird mir bewusst, wie viele Menschen, Begegnungen und Erlebnisse mit dem DRK verbunden sind. Schöne Momente, traurige Momente, belastende Einsätze, aber auch viele Erfahrungen, die mich menschlich geprägt haben.
Eigentlich begann alles schon lange vor meiner offiziellen Mitgliedschaft.
Meine Mutter war Gründungsmitglied unseres Ortsvereins und nahm mich schon als kleines Kind mit zu Veranstaltungen und zur Blutspende. Während die Erwachsenen arbeiteten, durfte ich damals Pflaster verteilen. Für viele wahrscheinlich nur eine Kleinigkeit – für mich war das damals etwas ganz Besonderes. Ich war stolz, dabei sein zu dürfen und zu helfen.
Später folgte meine Zeit im Jugendrotkreuz.
Zeltlager, Gruppenstunden, Freizeiten, Erste-Hilfe-Ausbildung und unzählige gemeinsame Stunden mit Menschen, die die gleichen Werte teilten. Dort entstanden Freundschaften und Erinnerungen, die bis heute geblieben sind. Gleichzeitig kamen dort auch die ersten Erfahrungen im Umgang mit Patienten dazu, wie bei Sanitätsdiensten wie der ASV-Sportwoche oder dem Reitturnier in Fußgönheim.
Aber auch die schwierigen Momente kamen früh.
Mit gerade einmal 15 Jahren erlebte ich auf dem Campingplatz „Auf der Au“ in Altrip meine erste Reanimation. Leider erfolglos. Ein Kindstod.
Ein Erlebnis, das man nie vergisst und das sich tief einprägt. Gerade in diesem Alter.
Mit 17 begann ich dann die Ausbildung zum Rettungssanitäter.
Und wenn ich heute daran denke, dann fallen mir sofort zwei Menschen ein: Holger und Martin.
Die beiden haben mich damals unter ihre Fittiche genommen.
Sie waren da, wenn man Hilfe brauchte, haben mich zu RTW-Diensten mitgenommen, Taxi gespielt, damit ich überhaupt mitfahren konnte, und mich über Wochenenden hinweg zu Lehrgängen gefahren und wieder nach Hause gebracht. Das war nicht selbstverständlich. Und genau solche Menschen machen das DRK aus.
Mit 18 hatte ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Danach folgten mehr als zehn Jahre ehrenamtlicher Rettungsdienst an Wochenenden und Feiertagen. Viele Stunden auf dem RTW. Viele Einsätze. Viele Begegnungen.
Und gleich beim ersten Dienst als zweiter Mann auf dem RTW stand direkt eine Reanimation an.
Es gibt Einsätze, die vergisst man nie.
Besonders geprägt hat mich zum Beispiel eine ältere Dame aus einem Altenheim, die wir mit einer Kopfplatzwunde ins Krankenhaus gebracht haben. Medizinisch kein spektakulärer Einsatz. Aber diese Frau war einfach nur dankbar, dass jemand da war, sich gekümmert hat und ihr geholfen hat. Diese echte Dankbarkeit bleibt oft viel länger in Erinnerung als große Einsätze.
Auf der anderen Seite gab es aber auch die Momente, die man kaum beschreiben kann.
Eine erfolgreiche Reanimation gemeinsam mit Martin gehört definitiv dazu. Zu wissen, dass man vielleicht gerade einem Menschen das Leben gerettet hat, ist ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Parallel dazu kamen acht Jahre Verpflichtung im Katastrophenschutz in der SEG Sanität hinzu.
Eine Zeit mit vielen Übungen, Einsätzen und Kameradschaft. Bis heute bin ich dort Mitglied und mittlerweile vermutlich eines der letzten Gründungsmitglieder.
Später durfte ich Verantwortung im Kreisvorstand übernehmen. Zunächst als Beisitzer, später viele Jahre als Rotkreuzbeauftragter.
Natürlich erreicht man in solchen Funktionen nicht immer alles, was man sich vorgenommen hat. Manches bleibt liegen, manches scheitert auch an Strukturen oder unterschiedlichen Vorstellungen.
Aber ich denke schon, dass ich das ein oder andere bewegen konnte.
Während der Corona-Pandemie kam dann noch einmal eine ganz besondere und intensive Zeit.
Über zehn Monate war ich im Impfzentrum Schifferstadt für die medizinische Nachbetreuung mitverantwortlich. Eigentlich war das nebenbei kaum noch ein Ehrenamt, sondern eher ein zusätzlicher Teilzeitjob. Eine anstrengende, aber auch wichtige Zeit und das neben eines schweren Schicksalsachlag in der Familie.
Später habe ich mein Amt wegen mangelnder Zusammenarbeit mit anderen Funktionsträgern abgegeben.
Das war keine leichte Entscheidung. Aber manchmal muss man ehrlich zu sich selbst sein.
Trotzdem bleibt eines: Im Herzen bleibt man Rotkreuzler.
Ein großer Teil meines Weges war außerdem immer die Ausbildung.
Schon früh durfte ich bei Uwe Jochims als Ausbildungshelfer mitwirken. Später unterstützte ich regelmäßig Martin Mayer bei Erste-Hilfe-Kursen für Führerscheinbewerber. Auch dort gab es viele besondere Momente.
Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Teilnehmer, der uns mitten im Kurs eingeschlafen ist oder an die Restaurantbesitzerin aus Mutterstadt, die uns später aus Dankbarkeit zum Essen eingeladen hat.
Um das Jahr 2000 durfte ich dann endlich selbst Erste-Hilfe-Ausbilder werden.
Parallel half ich bereits seit Jahren gemeinsam mit Klaus Becker in der Sanitätsdienstausbildung mit, bis ich etwa 2008 schließlich selbst Sanitätsausbilder wurde.
Diese Ausbildung war uns immer sehr wichtig. Wir haben sie auf hohem Niveau durchgeführt, gleichzeitig aber fair und mit möglichst geringer Durchfallquote. Mir war immer wichtig, Menschen mitzunehmen und nicht künstlich scheitern zu lassen. Qualität bedeutete für uns nicht Härte, sondern gute Vorbereitung.
Besonders stolz macht mich bis heute, wenn ehemalige Helfer später Rettungssanitäter oder sogar Notfallsanitäter wurden und mir gesagt haben, dass unsere Ausbildung ihnen den Grundstein für ihren weiteren Weg gelegt hat. Dann weiß man, dass sich die viele Arbeit gelohnt hat.
Auch heute habe ich noch regelmäßigen Kontakt zum DRK-Kreisverband und zu unserem Kreisgeschäftsführer Matthias Riedel.
Für mich ist er weit mehr als nur ein Geschäftsführer. Er ist jemand, der den Kreisverband mit Ruhe, Herzblut und Verstand geprägt und vorangebracht hat.
Oft wollten wir eigentlich nur kurz über das DRK sprechen und zwei Stunden später saßen wir immer noch bei einer Brezel zusammen und redeten über Gott und die Welt.
Wenige Menschen schätze ich so sehr wie ihn.
Gerade weil man spürt, dass ihm das DRK und seine Grundsätze wirklich wichtig sind, obwohl er im Hauptamt tätig ist. Danke dafür.
Die Fiaccolata erinnert an die Wurzeln des Roten Kreuzes.
An Solferino.
An Menschlichkeit.
An Hilfe ohne Ansehen der Person.
An Zusammenhalt über Grenzen hinweg.
Und wenn ich morgen Abend diese Fackel entgegennehmen darf, dann denke ich an all die Menschen, die mich auf diesem langen Weg begleitet haben.
An diejenigen, die mich gefördert haben.
An Kameraden, Freunde und Weggefährten.
An Einsätze, die man nie vergisst.
An schöne Momente, aber auch an schwere Zeiten.
Denn das DRK war für mich nie einfach nur ein Ehrenamt.
Es war immer ein Teil meines Lebens.
Und ist es bis heute geblieben.