06/08/2026
Wenn der Schmerz eine Frage stellt
Der „Sinnsucher" und der „Vermeider"
„Warum Schmerz nicht gleich Schmerz ist." Manche Fragen, die wir stellen, klingen nach Suche. Und manche Strategien, die wir entwickeln, sehen nach Selbstschutz aus. Beides ist menschlich – und beides kann, wenn es zum einzigen Umgang mit Schmerz wird, genau das verhindern, was man sich erhofft: dass der Schmerz endlich nachlässt.
In dieser Serie stellt Dr. med. Eugen Schippers sechs Schmerztypen vor – Muster im Umgang mit Schmerz, die er in seiner täglichen Praxisarbeit immer wieder beobachtet. Nach „Kämpfer", „Funktionierer", „Erdulder" und „Analytiker" geht es nun um den „Sinnsucher" und den „Vermeider". „Die wenigsten Menschen sind nur ein Typ", betont Schippers. „Eher ist es wie ein Mischpult – alle Anteile sind vorhanden, aber manche stehen zeitweise stärker im Vordergrund." Nicht als Schublade, sondern als Spiegel, den eigenen Schmerz besser zu verstehen.
Der Sinnsucher – wenn aus Fragen Vorwürfe werden
Der Sinnsucher fragt nicht nach Diagnosen, sondern nach Bedeutung. Warum habe ich diesen Schmerz? Was soll mir das sagen? Diese Fragen können wichtige Zusammenhänge sichtbar machen. Problematisch wird es, wenn aus der Sinnsuche eine Selbstanklage wird – wenn der Schmerz als Strafe erlebt wird oder als Beweis für persönliches Versagen.
„Das begegnet mir erstaunlich häufig", sagt Schippers. „Menschen suchen nach einer Erklärung und landen bei Schuldgefühlen." Chronischer Schmerz entstehe fast immer durch ein komplexes Zusammenspiel körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren.
„Chronische Schmerzen sind keine Strafe – und kein Beweis dafür, dass jemand etwas falsch gemacht hat."
Der Vermeider – wenn der Abstand das Problem wird
Der Vermeider hält Abstand: von Bewegungen, die wehtun könnten, von belastenden Gesprächen, von Themen, die unangenehm werden. Kurzfristig funktioniert das. Langfristig bleiben die eigentlichen Ursachen unangetastet. „Manchmal liegt der Weg aus dem Schmerz genau dort, wo Menschen am wenigsten hinschauen möchten", sagt Schippers. Vermeidung sei zunächst eine sinnvolle Schutzreaktion – „wenn etwas Angst macht oder schmerzt, möchten wir Abstand gewinnen, das ist zutiefst menschlich." Und: „Veränderung ist leichter gewollt als gelebt." Der entscheidende Schritt brauche keinen Druck, sondern einen geschützten Rahmen mit individueller therapeutischer Begleitung.
Was beide gemeinsam haben
Sinnsucher und Vermeider kreisen um den Schmerz – der eine mit Fragen, der andere mit Abstand. Beide verändern ihn selten. „Wissen allein reicht meist nicht", sagt Schippers. „Es braucht neue Erfahrungen."
Vielleicht beginnt das mit einer ungewohnten Frage: Was wäre, wenn mein Schmerz nicht das eigentliche Problem ist – sondern Teil meiner bisherigen Lösung?
Auf der Website von Dr. Eugen Schippers finden Interessierte einen kostenlosen Schmerztypen Selbsttest – kein medizinisches Ergebnis, aber ein erster Schritt, den eigenen Umgang mit Schmerz klarer zu sehen.
Jetzt testen: [QR-Code / www.dr-schippers.de]
Termin: 06753/9649 520 · [email protected] · Hans-Franck-Straße 2 · 55590 Meisenheim
Dr. med. Eugen Schippers betreibt eine Privatpraxis für akute Schmerztherapie und Ursachenbehandlung. Sein Ansatz verbindet körperliche Behandlung – unter anderem Chiropraktik, Akupunktur und Neuraltherapie – mit psychosomatischer Beratung und systemischem Coaching. Er behandelt Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen, Erschöpfung, Burnout sowie Traumafolgen und Lebenskrisen. Foto: Antonia Schippers