26/06/2017
Kleinkinder (1 bis 5 Jahre)
Nun läuft das Kind schon und es beginnt zu sprechen. Es isst am Tisch mit.
Kontakte zu neuen Bezugspersonen werden geknüpft.
Alle Systeme des kleinen Körpers arbeiten auf Hochtouren an der Entwicklung.
Jetzt wirken sich auch kleine Störungen plötzlich deutlich aus, und Reste von Asymmetrien können erneut auffallen.
Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen)
Aus der Babyzeit verbliebene Fehlspannungen werden mit zunehmender Aufrichtung zum Problem. Gegen die Schwerkraft findet der Körper nur schwer seine Mitte. Die Wirbelsäule versucht sich anzupassen, um den wichtigsten Auftrag an die Statik zu erfüllen, nämlich die Augen horizontal auszurichten.
Dadurch wird die Orientierung im Raum erst möglich.
In der Osteopathie vermutet man darin einen wichtigen Faktor bei der Entstehung von Skoliosen. Bis zur Pubertät neigen sie sehr dazu, sich zu verschlechtern.
Das bedeutet, bis dahin hat man auch die besten Chancen, diese Entwicklung aufzuhalten oder gar zu verbessern.
Gerade jetzt wird das Gefühl für die aufrechte Haltung und die eigene Mitte im Bewegungsgedächtnis verankert. Eine gezielte physiotherapeutische Behandlung unterstützt den Prozess und verhindert schlechte Haltungsgewohnheiten.
Wie jede Sportart, so verlangen auch Haltung und Gehen eine gute Technik.
Andere Ursachen für Skoliosen können z. B. angeborene Anomalien sein, aber auch Lähmungen oder Erkrankungen der Muskulatur oder des Nervensystems. Diese gehören allesamt in ärztliche Behandlung. Die Osteopathie kann dabei begleitend eingesetzt werden.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Geradestellung der Achsen im Schädel, die Befreiung der Schädelbasis und der oberen Halswirbelsäule und eine Korrektur der Spannungen entlang der ganzen Wirbelsäule bringen hier gute Ergebnisse.
Veränderte Beinachsen (X- und O-Beine)
Stehen und Gehen bringen es an den Tag. Jede noch so kleine Abweichung findet nun ihren Ausdruck im Bewegungsapparat.
Dabei sind O- und X-Beine nicht nur ein kosmetisches Problem. Füße, Knie und Hüften brauchen ein harmonisches statisches Zusammenspiel, um sich nicht vorzeitig abzunutzen.
Schließlich möchten die Kinder von heute auch als ältere Erwachsene von übermorgen noch sportlich aktiv sein.
Leichte O-Beinchen beim Baby sind allerdings normal, genauso wie X-Beine beim Dreijährigen. Achten Sie darauf, ob beide Beine gleich geformt sind. Werden beim Gehen ein oder beide Füße nach innen gedreht? Läuft Ihr Kind »über den
großen Onkel« oder fällt es unverhältnismäßig oft hin?
Beim Kleinkind können die Wachstumsreize noch relativ leicht so stimuliert werden. dass sie später nicht der umständlichen Korrektur durch Einlagen oder langwieriger Behandlungen bedürfen. Kinder die in ihrer Mitte sind, tun sich
mit allem leichter und haben mehr Energie für andere Entwicklungen frei.
Hüftgelenksfehlstellungen
Becken und Hüftgelenke bilden eine funktionelle Einheit. Dort werden die Bewegungen der Beine auf den Rumpf übertragen, und Becken und Hüftgelenke bilden gemeinsam das Fundament für den langen Turm der Wirbelsäule.
Von der Funktion der Hüftgelenke hängt die Fähigkeit zum aufrechten Gehen maßgeblich ab. Große Hebelkräfte wirken auf die Gelenke ein und müssen ständig ausgeglichen werden, damit die Balance gehalten werden kann.
Zu viel Sitzen belastet die Gelenke übermäßig und verringert deren Beweglichkeit. Vorzeitige Abnutzung und Überlastung des gesamten Bewegungsapparates sind die Folgen.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Eine frühzeitige Behandlung kann leichtere Fehlstellungen sehr verbessern. Dabei Versucht die Osteopathin, das Gelenk optimal einzustellen. Dadurch bekommen die Knochen den Wachstumsreiz, den sie brauchen, um sich regelrecht zu entwickeln. So kann die frühkindliche Entwicklung der Hüftgelenkspfanne optimal unterstützt werden.
Manchmal ist eine zusätzliche Behandlung mit Spreizhosen,
breites Wickeln und Krankengymnastik sinnvoll.
Mittelohrentzündung
Diese äußerst schmerzhafte Erkrankung muss häufig mit eine Ausbreitung und
Antibiotika behandelt werden, um eine Ausbreitung und Spätschaden am Mittelohr und Trommelfell und somit dem
Hörvermögen zu verhindern. Trotzdem tritt sie gerne immer
wieder auf, einen ganzen Winter lang oder während der Badesaison, und verdirbt Kindern und Eltern die Ferien.
Sekrete aus dem Mittelohr fließen normalerweise durch die Eustachische Röhre in den Rachenraum ab. Schon bei leicht verschobenen Schädelknochen können diese Abflüsse zu eng sein. Tritt dann noch eine Schwellung auf, verschließen sie sich, und Bakterien finden einen idealen Nährboden. Da bei der Ausheilung Narben und Verdickungen zurückbleiben können, geht das von Mal zu Mal schneller.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathin verbessert die Abflusswege, indem sie die Ohrtuben und die Knochen drumherum von Spannungen befreit. Mit Pumptechniken befördert sie das Sekret nach außen und beschleunigt die Abschwellung. Über das Zwerchfell und den gesamten Brustkorb wird der Lymphfluss verbessert und damit auch das Immunsystem stimuliert.
Begleittherapien mit Medikamenten, die der Arzt einsetzt, können so wirksamer eingreifen. Eine solche medikamentöse Therapie sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.
Nasennebenhöhlenentzündung und Dauerschnupfen
Ähnliches wie für das Mittelohr gilt für die Nasen- und Kieferhöhlen. Auch dort entsteht ständig Sekret, das durch die Abflusswege in Nase und Rachen ausgeschieden wird. Werden die Schleimhäute allerdings durch eine Infektion, bei Allergien oder durch sehr trockene oder kalte Luft gereizt, dann schwellen sie an und verstopfen die Abflüsse. Manchmal bleibt dieser Zustand bestehen, wird chronisch, und die Nase ist ständig zu. Mundatmung und dadurch bedingt eine erhöhte Infektanfälligkeit sind dann die Folgen.
Die großen Lymphknoten im Rachen, die Mandeln, sind in diesem Fall besonders gefährdet. Ständige Entzündungen dort werden zu einem neuen Krankheitsherd.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathin arbeitet dann direkt an den Kiefer- und Gaumenknochen sowie am Lymph- und Nervensystem. Auch die Entgiftungsorgane Leber und Nieren und die Milz als lymphatischer Speicher werden behandelt.
Bei längerer Krankheitsdauer sollte auch auf Allergien und Stoffwechselkrankheiten untersucht werden.
Kiefer- und Zahnfehlstellungen
An den Zähnen kann man oft sehr deutlich eine Abweichung der Achsen im Kopfbereich erkennen. Schon die Milchzähnchen wachsen dann schief, und mit den bleibenden Zähnen entwickeln sich starke Fehlbisse. Aufwendige Behandlungen mit Zahnspangen werden nötig.
Manche Kinder knirschen nachts mit den Zähnen oder bekommen Kopfschmerzen. Die übermäßige Abnutzung führt zu Karies und Zahnverlust. Auch häufige Mittelohrentzündungen haben oft ihre Ursache in Zahnfehlstellungen. Bereits beim Säugling sollten die Saug- und Schluckbewegungen genau überprüft werden. Die Mechanik der Zunge und die ungehinderte Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule bestimmen über die Entwicklung des Gaumens und die Formung der Kieferbögen. Auch ein guter Lippenschluss ist nötig für einekorrekte Mundmechanik und damit eine gesunde Entwicklung von Zähnen und Kiefer.
Deshalb sollte der Schnuller spätestens vor dem zweiten Lebensjahr abgelegt werden. Mundvorhofplatten können ihn ersetzen und den Lippenschluss üben.
Übung: Den Gaumen dehnen
Mit den eigenen Daumen können Kinder sich schon bald selber hinter die oberen Zähne greifen und diese schräg nach vorne-außen ziehen. Das schafft Platz im Oberkiefer und hält die Gaumennaht beweglich.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathin stellt deshalb die Knochen des Gesichtsschädels sehr genau ein und überprüft die Funktion der Kiefer in Relation zum ganzen Kopf und Körper.
Dabei arbeitet sie auch innerhalb des Mundes am Gaumen und an den einzelnen Zähnen.
Jede kieferorthopädische Maßnahme sollte osteopathisch begleitet werden. Die Kiefergelenke besitzen eine enorm große Hebelkraft, und jede Veränderung dort wirkt sich unmittelbar auf den gesamten Körper aus. Dabei ist nicht nur der Bewegungsapparat betroffen, sondern auch das Verdauungssystem, das lymphatische System und damit die Immunabwehr und über die Spannungen im Bereich der Schädelmembranen auch das Gehirn und die Psyche.
Eine umfassende Betreuung kann Komplikationen verhindern und das Ergebnis nicht nur ästhetisch, sondern auch funktionell verbessern. Studien zeigen, dass sich der ganze Körper neu ausrichtet und Fehlstellungen sich korrigieren. Die gefürchtete erneute Verschiebung nach Abschluss der Behandlung kann vermieden werden.
Schielen
Schielen und Abweichungen eines Auges sollten frühzeitig behoben werden, da sie sonst vom Körper integriert werden.
Bleibende Sehstörungen, wie die sogenannte Rindenblindheit, und Schiefhals oder Skoliosen können entstehen, weil die Kinder nur mit einem Auge genau sehen.
Die Muskeln und Nerven, die das Auge bewegen, können unter Spannung geraten, wenn im Schädel Verschiebungen bestehen. Hinweise für Verschobene Schädelpartien sind oft nur an den Augen abzulesen:
unterschiedlich groß wirkende Augen, Abweichungen eines Auges beim Versuch, einen Gegenstand scharf zu fixieren.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathin behandelt sowohl lokal an Auge und Augen höhle als auch an korrespondierenden Regionen, wie der Hinterkopfregion (Ort der Sehrinde im Gehirn), und an der Halswirbelsäule. Augenärzte empfehlen das zeitweise Abkleben des gesunden Auges zur Anregung für die schwachen Muskeln auf
der anderen Seite.
Für größere Kinder ist eine optometrische Trainingsbehandlung sinnvoll. Dabei üben sie spielerisch, ihre Augen richtig einzusetzen.
Erkrankungen der Atemwege
Nach der Geburt muss sich die Lunge angemessen entfalten und sich an die neue Aufgabe gewöhnen. Dabei messen die Osteopathen dem ersten Atemzug eine große Bedeutung bei.
Fällt dieser zu stark oder zu schwach aus, dann reagiert das Gewebe mit bleibenden Störungen der Funktion. In einem solchen Fall versucht die Osteopathin, diesen ersten Atemzug noch einmal zu wiederholen.
Das Immunsystem hat mit unzähligen Keimen zu kämpfen, die nun plötzlich mit der Luft in die Lungen gelangen. Immer mehr Kinder reagieren auch allergisch auf Reize aus der Umwelt und der Nahrung. Chronische Atemwegserkrankungen werden immer häufiger. Studien haben ergeben, dass Kinder, die auf dem Land aufwachsen, weniger anfällig sind für Allergien. Das Immunsystem ist durch den Kontakt mit der Natur besser trainiert. Sicher spielt auch die Bewegung an der
frischen Luft. die für Landkinder häufiger stattfindet, eine Rolle.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Um die Belüftung der Lungen und der Bronchien zu verbessern, kann die Osteopathin vom Zwerchfell bis zum Schlüsselbein den ganzen Brustkorb behandeln. Dabei mobilisiert sie die Gelenke der Rippen und der Wirbelsäule sowie die Atemmuskulatur. Mit feinen Techniken kann sie auch die Beweglichkeit des Lungenfells, der einzelnen Lungenlappen sowie der Bronchien ertasten und dort behandeln, wo sie Einschränkungen spürt. Dabei geht es um die Verbesserung der elastischen Lungenkräfte, welche die Ausatmung unterstützen.
Über die Arbeit am lymphatischen System wird das Immunsystem stimuliert. Auch das vegetative Nervensystem wird reguliert, indem man am Vagusnerv
und an den Nervenknotenpunkten entlang der Wirbelsäule und unter dem Brustbein arbeitet.
Durch die Atemnot und die krampfhaften Versuche, die Luft aus den Lungen zu pressen, kommt es immer wieder zu Spannungserhöhungen im Muskel- und Faszienapparat. Auch das bioelektrische Feld wird gestört, was zu einer Schwächung des Immunsystems führt. Eine begleitende Behandlung sollte des-
halb auf lange Zeit ausgerichtet werden.
Begleitung bei Infekten und Kinderkrankheiten
Das Immunsystem arbeitet bei Kindern auf Hochtouren, weil es sich ständig an neue Keime und Krankheitserreger gewöhnen muss. Zum Teil geschieht das, wenn Krankheiten durchlaufen werden. Da wo mehrere Kinder zusammenkommen, tauschen sie ihre Bakterien aus und stecken sich gegenseitig an. Normalerweise erholen sie sich gut von kleineren Infekten und den üblichen Kinderkrankheiten. Bei Kindern, die besonders häufig krank sind oder sich sehr schwer erholen, findet man in der osteopathischen Untersuchung oft Reste von Spannungsmustern und Schädelkompressionen, die während der Geburt oder schon im Mutterleib entstanden sind. Diese stören die Zusammenarbeit der Abwehrsysteme so sehr, dass für zusätzliche Belastungen, z.B. bei einer Infektion, nur noch wenig Kraft zur Verfügung steht. Oft bessert sich der Gesamtzustand deutlich, wenn diese Störungen behoben werden.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathie arbeitet hier nicht am Infektionsherd, sondern am zentralen Abwehrsystem des Körpers. Dabei behandelt sie die Lymphsysteme und sorgt durch einen Ausgleich der horizontalen Faszienebenen für einen guten Fluss der Lymphe.
Verdauungsstörungen und Bauchweh
Der Darm reift erst im dritten Lebensjahr richtig aus. Erst dann ist die Entwicklung des Verdauungssystems abgeschlossen, und es ist gerüstet für seine vielfältigen Aufgaben.
Eine hoch komplizierte Chemiefabrik arbeitet von den Mundschleimhäuten bis zum Darmausgang an unserer Ver- und Entsorgung. Eine Vielzahl von vegetativen und zum Teil sogar ganz eigenständigen Nerven ››verdaut« und verarbeitet hier
auch Gefühle und Erfahrungen. Kein Wunder also, dass es im Verdauungstrakt öfter zu Störungen kommt.
Der Darm spielt darüber hinaus auch eine große Rolle in der Immunabwehr. Seine Abwehrkräfte entwickeln sich durch den Kontakt mit vielen verschiedenen Keimen und Bakterien. Da Kinder gerne alles in den Mund stecken, erreichen viele Erreger direkt den Darm und verursachen so zunächst eine Abwehrreaktion und dann eine Immunisierung. Dabei kommt es oft zu Durchfällen und Infektionen.
Ansatzpunkte der Osteopathie
In der osteopathischen Untersuchung fallen oft Spannungen um den Nabel herum auf. Wenn bei der Geburt unsanft an der Nabelschnur gezogen wurde, weil sie z.B. ungünstig lag oder um den Hals gewickelt war, dann wird der Nabel gezerrt. Der innere Anteil der Nabelschnur, die ja ein dicker Versorgungsstrang ist, entwickelt sich zurück in eine bandartige Struktur, die bis zur Leber führt. Von dort übertragen sich die Spannungen auf alle Gewebe in der Umgebung. Manchmal verschließt sich nach der Geburt der Nabel nicht vollständig. Dann bleibt eine Schwachstelle in der Bauchkapsel zurück und dort können sogar Darmschlingen aus dem Bauchraum austreten. Man spricht von einem Nabelbruch.
Obwohl dieser meist von alleine ausheilt, kann es dabei zu narbigen Veränderungen im empfindlichen Gewebe kommen, die sich dann störend auf die Verdauung auswirken.
Der Grund für diese weitreichenden Auswirkungen ist, dass die feinen Gewebeschichten im Körper, die Faszien, alle miteinander verbunden sind. Zerrungen, Narben und Traumata können sich deshalb über weite Entfernungen auswirken. So wie ein Knoten in einem feinen Tischtuch in alle Richtungen Falten verursacht, breiten sich Spannungen in den zarten Faszien unseres Körpers aus.
Oft sind die Ursachen für Beschwerden im Bauchraum auch Störungen im Achsenorgan der Wirbelsäule oder im Bereich des Zwerchfells. Auch Spannungsmuster im Schädel zeigen ihre Wirkung häufig im Verdauungstrakt.
Die Osteopathin wird jedes Bauchorgan genau untersuchen und prüfen, ob es frei beweglich ist. Dabei unterscheidet sie zwischen der Beweglichkeit im umgebenden Gewebe und der leisen, rhythmischen Eigenbewegung, die jedes gesunde Organ dauernd durchführt. Auch die Blut- und Lymphgefäße sollen,
von Einengungen befreit, einen ungehinderten Zu- und Abfluss ermöglichen.
Seelische Probleme schlagen sich oft im Bereich des Dünndarms nieder. Wenn dort Spannungen trotz Behandlung immer wieder auftreten, dann sind sie oft ein Indikator für Stress in der Schule oder in der Familie. Kleinkindern steht
noch kaum eine Möglichkeit zur Verfügung, um über ihre Nöte und Beschwerden zu sprechen. Deshalb muss der Körper diese Funktion übernehmen.
Allgemeine Entwicklungs-Verzögerung
Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich schnell, und meist ist das kein Grund zur Sorge. Wenn aber die Meilensteine nicht erreicht werden, dann sind
Untersuchungen nötig, um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen. Dabei können aber gerade bei diesen Kindern mit osteopathischen Behandlungen erstaunliche Erfolge erzielt werden. Befreit man sie von ihren Traumata, machen sie rasante Aufholentwicklungen. Je nach Alter des Kindes kann es aber einige Zeit dauern, bis der Durchbruch gelingt.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Insbesondere die Zirkulation der Durchblutung und der Lymphflüssigkeit (Liquor) im Gehirn stehen im Vordergrund der Behandlung. Stauungen in diesen Systemen behindern die betroffenen Gehirnareale in ihrer Funktion und stören den hochsensiblen Datenaustausch zwischen den Nervenzellen. In der Folge kommt es zu Reifeverzögerungen, die sich gegenseitig aufschaukeln.
Manchmal kann auch ein blockiertes Gelenk im Bewegungsapparat das Erlernen eines Entwicklungschrittes verhindern.
Deshalb untersucht die Osteopathin, ob alle Gelenke des Beckens und des Schultergürtels sowie der Wirbelsäule frei beweglich sind. Ein blockiertes Hüftgelenk oder eine nicht erkannte Fraktur des Schlüsselbeins kann dem Stützen und Krabbeln möglicherweise im Wege stehen. In so einem Fall holen die Kinder nach erfolgreicher Behandlung sehr rasch ihre Defizite auf.
Sprachstörungen
Knöcherne Verschiebungen im Schädelbereich, besonders an der Schädelbasis und am ersten Halswirbel, können die Nervenversorgung der Zungenmuskulatur beeinträchtigen.
Die Sprachzentren im Gehirn können durch Stauungen im Gefäßsystem unter Druck geraten und gestört werden. Auch die Form der Kieferknochen und die Zahnstellung sind wichtig für eine korrekte Artikulation. Oft sind diese Zustände rein mechanisch und gut zu behandeln.
Häufig bestehen Spannungen im Bereich von Zwerchfell und Brustkorb, die sich über den Hals zum Kehlkopf und zum Zungengrund fortsetzen können. Die mechanische Störung, die dabei entsteht, behindert die Funktion der Sprechorgane und führt zu Heiserkeit, Sprech- und letztlich auch Sprach-
störungen, wenn die altersgemäße Entwicklung nicht durchlaufen werden kann. Besonders Kinder, die als Babys schon Saug- oder Schluckbeschwerden hatten, sind vorbelastet und bedürfen einer genauen Beobachtung. In jedem Fall sollte bereits früh vom Schnuller entwöhnt werden. Der Einsatz von Mundvorhofplatten hat sich besonders für die Verbesserung des Lippenschlusses bewährt.
Störungen in der Sprachentwicklung können auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Der Kinderarzt wird nach neurologischen oder erblichen Krankheiten suchen. Autismus, Gehirnschädigungen oder psychische Störungen sollen als Ur-
sachen ausgeschlossen werden.
Manchmal liegt einer stark verzögerten Sprachentwicklung eine Schwerhörigkeit zugrunde. Beobachten Sie daher, ob Ihr Kind angemessen auf Geräusche reagiert. Ist es auffallend reglos oder, ganz im Gegenteil, sehr schreckhaft, dann lassen Sie
einen Hörtest machen.
Mit der Behandlung von Sprachstörungen sollte so früh wie möglich begonnen werden, weil eine gestörte Sprachentwicklung viele Probleme nach sich zieht. Besonders im psychosozialen Bereich sind diese Kinder großen Belastungen ausgesetzt. Sie werden oft fälschlicherweise für dumm gehalten oder von anderen Kindern gehänselt und bekommen dann erst recht Probleme.
Verhaltensauffälligkeiten
Für Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere aggressives oder ängstliches Verhalten, gibt es viele Ursachen. Eine genaue Differenzierung ist daher unumgänglich. In den meisten Fällen sind es mehrere Ursachen, die zusammenspielen. In jedem Fall sollten sich die Eltern Rat und Hilfe holen, bevor
die ganze Familie darunter leidet.
Aus osteopathischer Sicht handelt es sich bei Verhaltensauffälligkeiten oft um einen nicht verarbeiteten Schock, den das Kind bei der Geburt erlitten hat. Das Gewebe hat die Spannungen gespeichert und meldet dem Nervensystem
ständig Gefahren, wie eine hängen gebliebene Schallplatte. Das überreizte System beantwortet diesen Datenstrom mit der sogenannten »Flight-or-fight«-Reaktion, d.h. mit ängstlichem Fluchten oder aggressivem Kämpfen. Nur sind diese Verhaltensmuster der gegenwärtigen Situation nicht angemessen
und führen zu noch mehr Stress für das Kind.
Eine behutsame Behandlung in kleinen Portionen bringt das System langsam zur Ruhe. Manchmal lösen sich die Traumata mit einem tiefen Erschöpfungsschlaf oder in heftigem Weinen. Danach geht es den Kindern oft deutlich besser.
Ansatzpunkte der Osteopathie
Die Osteopathin arbeitet an allen Systemen des Körpers, immer da, wo sich ein Befund ergibt: Mit cranio-sacralen Techniken arbeitet sie an den Schädel-
knochen und den Hirnhäuten, um darüber das Nervensystem und bestimmte Hirnareale zu erreichen. Insbesondere die Techniken des »emotional release« sind hier geeignet. Sie wenden sich direkt an das emotionale System und versuchen
dort, Blockaden abzubauen. Denn man geht davon aus, dass eine Gewebe-Erinnerung besteht und dass traumatische Gefühle in Form von Neurotransmittern in sogenannten »emotional cysts« im Gewebe abgelagert sind. Diese Stellen aufzuspüren und die Blockaden dort zu lösen, ist das Ziel der Behandlung
Aber auch die Entgiftungsorgane Leber, Nieren, Darm werden
behandelt. Die biodynamische Osteopathie wirkt ebenfalls auf
eine Beruhigung aller Systeme und eine Balance von Körper,
Seele und Geist hin.