13/09/2026
Demenz - neues aus der Prävention
Weltweit leiden rund 50 Millionen Menschen an Demenz, bis 2050 wahrscheinlich doppelt so viele. Forscher arbeiten daher fieberhaft an Früherkennung und Prävention. Über neue Hoffnungen und medizinische Grenzen.
Schlüssel verlegt, PIN schon wieder vergessen? So manch einer fragt sich dann besorgt, ob dies schon ein Zeichen von Demenz ist. Tatsächlich steigt mit 65-plus das Risiko. Gewissheit kann ein Check in einer Gedächtnisambulanz bringen. Rund 200 dieser Institute gibt es in Deutschland und der Hausarzt kann Patienten dorthin überweisen. Hier werden persönliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Diabetes geklärt, eine körperliche Untersuchung und ein Test, etwa der Mini-Mental-Status-Test (MMST), gemacht. Er dauert zehn bis 15 Minuten und prüft anhand von Fragen die Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Sprache. Je nach Resultat gibt es Entwarnung oder es muss weiter geforscht werden.
Neue Bluttests erkennen Alzheimer
Sind weitere Maßnahmen erforderlich, mussten Patienten bisher für aufwendige (und teure!) Hirn-Scans in die »Röhre« oder unangenehme Untersuchungen des Nervenwassers in der Wirbelsäule über sich ergehen lassen. Nun können zwei einfache Bluttests zumindest die für Alzheimer verantwortlichen Protein-Ablagerungen (Plaques) im Gehirn und Schäden in den Nervenzellen erkennen. Sie weisen Biomarker wie Beta-Amyloide und Tau-Proteine nach – lange bevor Veränderungen im Gehirn in bildgebenden Verfahren sichtbar werden.
Frühe Diagnose
Die Alzheimer-Bluttests sind für Europa zugelassen, werden in Deutschland bislang aber nur von Fachärzten und in Spezialkliniken durchgeführt. Ob sie künftig zu den allgemeinen Standard-Untersuchungen gehören werden, ist fraglich. Denn so wichtig eine frühe Diagnose ist, so belastend kann sie auch sein – schließlich handelt es sich bei Demenz um eine unheilbare Erkrankung. Daher ist und bleibt wichtig, dass Patienten mit positivem Ergebnis gleich kompetente Beratung erhalten und erste Behandlungsschritte erfolgen können.
Medikamente mit Grenzen
Auch wenn kürzlich neue Medikamente gegen Alzheimer zugelassen wurden, so wirken sie nur im Frühstadium und können den Verlauf der Erkrankung lediglich verzögern. Dabei handelt es sich um Antikörper, die als Infusion verabreicht werden. Sie bauen die schädlichen Proteinablagerungen im Gehirn ab. Zusätzlich gibt es sogenannte Memantine, die den Zerfall der Nervenzellen bremsen können. Da bislang kein Medikament zur Heilung führt, kommt es nicht nur auf die medizinische, sondern auch auf eine psychosoziale Betreuung der Patienten an.
Gesunder Lebensstil beugt vor
Angesichts der hoffnungsvollen, aber noch nicht optimalen, medizinischen Fortschritte sollte jeder versuchen, seine Risikofaktoren zu reduzieren. Dabei spielt ein gesunder Lebensstil eine entscheidende Rolle. Er kann – so lassen Studien es vermuten – das Demenzrisiko um bis zu 45 Prozent senken!
Auch das Hörvermögen spielt bei der Demenzprävention eine wichtige Rolle. Eine unbehandelte Schwerhörigkeit kann soziale Isolation fördern und die geistige Leistungsfähigkeit zusätzlich belasten. Regelmäßige Hörtests beim HNO-Arzt und eine frühzeitige Versorgung bei Hörverlust können deshalb ein wichtiger Baustein sein, um beeinflussbare Risikofaktoren zu reduzieren.
Risikofaktoren für Demenz
Bluthochdruck
erhöhte Cholesterinwerte
Diabetes Typ 2
Bewegungsmangel
Übergewicht
Depressionen
soziale Isolation
Rauchen
hoher Alkoholkonsum
unbehandelte Schwerhörigkeit
unbehandelte Sehverluste
Luftverschmutzung
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern - leserservice.sud-verlag.de