08/09/2026
Viele Menschen erleben nach extrem belastenden Ereignissen innere Unruhe, Schlafprobleme, hohe Schreckhaftigkeit und sind gedanklich stark belastet. Häufig entsteht der Wunsch, das Erlebte zu vergessen und alles zu vermeiden, was an das Erlebte erinnert. Aber nicht jedes traumatische Ereignis führt zu einer Traumatisierung mit Krankheitswert.
Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (kurz PTBS) bleiben Traumareaktionen aktiv, obwohl die eigentliche Gefahr längst vorbei ist. Schon kleine Reize wie Gerüche, Geräusche, Orte oder Körperempfindungen können starke Angst und Bedrohungsgefühle auslösen. Es fühlt sich dann nicht nur wie eine Erinnerung an, sondern eher so, als würde die Gefahr erneut stattfinden. Das Nervensystem wird wachsamer und richtet die Aufmerksamkeit stärker auf mögliche Gefahren. Mögliche Bedrohungen, die vorher kaum wahrgenommen wurden, scheinen nun überall sichtbar.
Betroffene versuchen nachvollziehbarerweise durch Vermeidung wieder Sicherheit herzustellen. Häufig werden Orte gemieden, soziale Kontakte reduziert und belastende Situationen vermieden. Kurzfristig kann das entlasten. Langfristig schränkt diese Vermeidung den eigenen Lebensraum immer weiter ein und selbst alltägliche Aufgaben werden schwer bewältigbar. Denn traumatische Erfahrungen können das Vertrauen in die Welt, andere Menschen und sich selbst erschüttern. Die Vorstellung, dass die Welt im Großen und Ganzen sicher ist oder man Einfluss auf das eigene Leben hat, kann plötzlich ins Wanken geraten.
Ob sich eine PTBS entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Rolle spielen Art und Dauer des Ereignisses, frühere Erfahrungen, die wahrgenommene Unterstützung durch das Umfeld, aktuelle Belastungen und individuelle Schutzfaktoren. Eine PTBS ist also keine Folge einer persönlichen Schwäche und durch traumafokussierte Psychotherapie gut behandelbar. Dabei geht es nicht darum, das Erlebte zu vergessen. Vielmehr soll die Erinnerung wieder als etwas Vergangenes eingeordnet werden können: Die Gefahr war damals. Heute bin ich hier. Heute habe ich Handlungsmöglichkeiten.
Ihr Yassin Gabteni
Psychologischer Psychotherapeut der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik