28/07/2026
Es gibt Tage, vor denen man nicht weglaufen kann.
Ich werde es trotzdem versuchen.
Mein Geburtstag steht vor der Tür und diesen werde ich nicht zu Hause verbringen.
Nicht, weil ich keine Lust habe zu feiern – sondern weil ich es einfach nicht schaffe.
Vor einem Jahr an meinem Geburtstag, war einer der letzten Tage, an denen ich meine Oma noch so erleben durfte, wie ich sie kannte.
Bunt, herzlich, laut, quirlig und immer ein klein wenig schräg.
Es war ihr – mit Verlaub – völlig egal, was andere von ihr dachten. Sie war die Frau, die dir mit einem lilafarbenen Kostüm und einem übergroßen, passenden Hut in der Stadt entgegenkommen konnte.
Sie war Mutter von vier Kindern, eines davon mit einer Behinderung. Sie verlor ihren Mann viel zu früh. Ihr Haus brannte ab. Das Leben hat sie immer wieder auf die Probe gestellt.
Doch sie stand immer wieder auf.
Sie brachte andere zum Lachen, schenkte Wärme und füllte jeden Raum mit Leben.
Das war meine Oma.
Es ging ihr gut an dem Tag. Die Demenz machte eine Pause.
Sie hat sich so unfassbar über die ersten Brombeeren aus unserem Garten gefreut.
"Mei Silverl han de guad"
Sie hat genascht wie ein kleines Kind, gelacht und sich am Ende eine riesige Schüssel mit nach Hause genommen.
Damals wusste ich nicht, dass das einer unserer letzten guten gemeinsamen Momente sein würde.
Als dieses Jahr die ersten Brombeeren reif wurden, saß ich auf unserer Gartenbank.
Ich habe diese Brombeeren gesehen und hatte das Gefühl,dass ich keine Luft bekomme. Die Tränen flossen unaufhörlich.
Die Trauer hat mich mit voller Wucht getroffen.
Weil diese Brombeeren nicht einfach nur Früchte sind, sondern letzte Erinnerungen.
An ihr Lachen, ihre Freude und an einen Moment, den ich für immer in meinem Herzen tragen werde.
Manchmal sind es die kleinsten Dinge, die den größten Schmerz auslösen können.
Deshalb möchte ich an meinem Geburtstag dieses Jahr nicht zu Hause sein.
Nicht, weil ich meine Erinnerungen vergessen möchte. Sondern weil ich sie im Moment noch nicht aushalte.
Ich vermisse dich