12/07/2026
Liebe Betroffene mit Lipödem oder Lymphödem,
heute möchte ich euch über eine Entwicklung informieren, die viele von euch ab Januar 2027 betreffen wird.
Der Bundestag hat gestern 10.07.2026 beschlossen, die Vergütungen für Hilfsmittelverträge pauschal um 3 % zu kürzen. Von dieser Entscheidung ist leider auch die Versorgung mit flachgestrickter Kompression betroffen.
Gleichzeitig steigen zum 1. Januar 2027 die gesetzlichen Zuzahlungen für gesetzlich Versicherte von bisher 5 € bis maximal 10 € auf 7,50 € bis maximal 15 €.
Parallel dazu erhöht sich auch der gesetzliche Mindestlohn.
Das bedeutet: Während die Kosten für die Versorgung steigen, erhalten Sanitätshäuser für dieselbe Leistung künftig weniger Vergütung.
Mir ist dabei eines besonders wichtig:
Sollten künftig private Aufzahlungen erforderlich werden, dann geschieht das nicht, weil Sanitätshäuser ihre Gewinne maximieren möchten.
Im Gegenteil.
Unsere Vergütung aus den Verträgen mit den Krankenkassen wird gesetzlich um 3 % gekürzt, obwohl der Aufwand unverändert bleibt.
Ein Beispiel:
Eine mehrteilige flachgestrickte Kompressionsversorgung hat schnell einen Vertragswert von 1.400 €.
➡️ 3 % davon entsprechen 42 €.
Das bedeutet: Für dieselbe Versorgung erhält das Sanitätshaus künftig 42 € weniger, obwohl sich an der Versorgung nichts ändert.
Denn eine Kompressionsversorgung besteht nicht nur aus dem fertigen Strumpf.
Dazu gehören unter anderem:
✔️ ausführliche Beratung
✔️ exaktes Maßnehmen
✔️ Bestellung und Qualitätskontrolle
✔️ Anprobe und Passformkontrolle
✔️ notwendige Änderungen und Nachbesserungen
✔️ persönliche Betreuung bei Fragen und Problemen
✔️ Kostenvoranschläge und Dokumentation für die Krankenkassen
All diese Leistungen benötigen qualifiziertes Fachpersonal und Zeit. Gleichzeitig steigen Lohn-, Material-, Energie- und Betriebskosten kontinuierlich weiter.
Sollten deshalb in Zukunft private Aufzahlungen auf euch zukommen, dienen diese nicht der Gewinnmaximierung, sondern ausschließlich dazu, die gesetzlich entstandene Finanzierungslücke auszugleichen und auch künftig eine hochwertige, wohnortnahe Versorgung sicherzustellen.
Ich halte es für wichtig, dass ihr die Hintergründe kennt. Denn am Ende verfolgen wir alle dasselbe Ziel:
Eine hochwertige Versorgung für Menschen mit Lipödem und Lymphödem, heute und auch in Zukunft.
Wie seht ihr diese Entwicklung? Ich freue mich auf einen sachlichen und respektvollen Austausch.