16/08/2026
Hörvermögen: Wie bitte?
Schlechtes Hören schränkt den Alltag ein, es macht sogar einsam und gefährdet die geistige Gesundheit. Daher: Lauscher auf! Mit unseren Tipps sind Sie auch im Alter ganz Ohr.
Leise Gespräche und hohe Töne bekommen Sie kaum noch mit? Außerdem nerven Alltagsgeräusche, es piepst im Ohr oder die Welt klingt wie in Watte gepackt … Hörprobleme äußern sich sehr unterschiedlich und haben verschiedene Ursachen. In jedem Fall aber sollten sieHNO-ärztlich abgeklärt werden, denn gutes Hören bedeutet nicht nur Lebensqualität und soziale Teilhabe – es schützt auch erwiesenermaßen vor Demenz. Doch wie kommt es überhaupt zu einer Hörverschlechterung und was ist dann zu tun?
Eine Frage der Jahre
Das Telefon oder die Türklingel »überhören«Sie schon mal, Radio und TV laufen auf voller Lautstärke,in Gesprächen fragen Sie häufiger nach – das sind typische Hinweise auf eine Altersschwerhörigkeit, Presbyakusis genannt. Mit den Jahren verschleißen die Haarzellen im Innenohr, die den Schall in Nervenimpulse umwandeln und über den Hörnerv ins Gehirn leiten. Dort werden die Impulse als Ton ausgewertet. Altersschwerhörigkeit beginnt mit 50 plus und spätestens dann ist die Zeit für einen Hörtest und eine Untersuchung beim HNO-Arzt gekommen.
Vorsicht, Lärm!
Hohe Geräuschpegel am Arbeitsplatz, Straßenverkehr, Baustelle vor der Haustür, laute Musik – Lärm kann ebenfalls die Haarzellen im Innenohr und damit das Hörvermögen schädigen. Ab 85 Dezibel Dauerbeschallung wird es kritisch, so hohe Lautstärke kann an einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße schnell erreicht sein. Ein Gehörschutz aus der Apotheke leistet in lauter Umgebung gute Dienste, erst recht bei einem Konzert oder Feuerwerk. Während sich Lärmschwerhörigkeit allmählich entwickelt, kann ein Knalltrauma, etwa durch eine Explosion, zu sofortiger Hörminderung oder Taubheit führen. Das ist ein Notfall, der umgehend behandelt werden sollte, damit keine bleibenden Schäden entstehen.
Zu viel um die Ohren
StändigesPiepsen, Pfeifen oder Summen im Ohr, ein Tinnitus kann die Hörleistung beeinträchtigen. Manchmal tritt er infolge eines Hörsturzes auf, bei dem plötzlich alles gedämpft klingt oder verstummt. Oft aber entwickelt sich ein Tinnitus unabhängig – etwa in Verbindung mit einer Durchblutungsstörung im Innenohr, verursacht oder verstärkt durch Stress. Hörsturz und Tinnitus müssen Sie umgehend behandeln lassen!Für die medikamentöse Tinnitus-Therapie kommen unter anderem Ginkgo-Präparate zum Einsatz, die die Durchblutung verbessern sollen. Langfristig hilft es oft, das Leben etwas ruhiger angehen zu lassen – den Ohren und ihrem allgemeinen Wohlbefinden zuliebe.
Hören & Hirn
Laut Studien ist Demenz zu 32 Prozent auf eine Hörminderung zurückzuführen. Schlechte Ohren zählen somit zu den Hauptrisikofaktoren für Demenz. Woran liegt das? Forscher vermuten, dass der Hörverlust über die Jahre viel Hirnleistung fordert. Geräusche wandelt unser Oberstübchen dann nicht mehr in wichtige Informationen um. Neuronen funken weniger, verdrahten sich nicht mehr neu. Außerdem nehmen wir seltener am gesellschaftlichen Miteinander teil, wenn wir Gesprächen – hörbedingt – kaum noch folgen können. Rückzug ist die Folge, Isolation und Einsamkeit kommen hinzu. Der geistige Input fehlt.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern -leserservice.sud-verlag.de