Tatjana Kuhnert Pferdeosteopathie, Physiotherapie und Training

Tatjana Kuhnert Pferdeosteopathie, Physiotherapie und Training Dozentin für Manuelle Therapie, Akupunktur und Verhaltenstherapie

Seminare, Vorlesungen und Kurse zu folgenden Themen: Osteopathie ● Chiropraktik ● Akupunktur ● Homöopathie ● Physiotherapie ● alternativen Therapiekonzepten ● Blutegeltherapie ● Physikalische Therapie ● Seminare ● Pferdeausbildung "Horsemanship meets Classic": Liberty-Training am Boden und unter dem Reiter ● unabhängige Ernährungsberatung

Der Artikel beschreibt genau das, was ich über ihn immer dachte.  RIPhttps://www.facebook.com/share/p/1P6vcmfxFt/
04/08/2026

Der Artikel beschreibt genau das, was ich über ihn immer dachte. RIP
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Nicht der Tod beschäftigt mich. Sondern der Applaus.

Ehrlich gesagt habe ich eine ganze Weile darüber nachgedacht, ob ich zu diesem Thema überhaupt etwas schreiben soll. Denn es geht hier nicht um einen Menschen, der gerade verstorben ist. Über Verstorbene sollte man mit Respekt sprechen. Was mich jedoch beschäftigt, ist etwas anderes. Seit der Bekanntgebung seines Todes, sehe ich Beiträge von Ausbildungsställen und Trainern, die Bilder mit Monty Roberts veröffentlichen, erzählen, wie sehr sie ihn bewundert haben und welchen Einfluss er auf ihr eigenes Pferdetraining hatte. Fast scheint es, als würde mit seinem Tod nicht nur der Mensch geehrt, sondern gleichzeitig auch seine gesamte Trainingsphilosophie noch einmal auf einen Sockel gestellt. Und genau an diesem Punkt beginne ich nachzudenken.

Dabei geht es mir nicht einmal in erster Linie um seine Biografie. Ja, bereits vor mehr als 25 Jahren erschienen mehrere kritische Berichte, unter anderem in der Sunday Times, die viele der Geschichten aus seiner Autobiografie hinterfragten. Wer sich dafür interessiert, kann diese Recherchen auch heute noch nachlesen. Für mich ist das allerdings gar nicht der entscheidende Punkt. Selbst wenn jedes einzelne Wort seiner Lebensgeschichte wahr wäre, bliebe für mich dieselbe Frage bestehen: Warum feiern wir eine Methode, die darauf aufbaut, ein Fluchttier zunächst unter Druck zu setzen, damit es sich am Ende dem Menschen zuwendet?

Ich habe ihn übrigens selbst live erlebt. Und nein, ich schreibe das nicht erst jetzt, nachdem sein Tod das Thema wieder in den Mittelpunkt gerückt hat. Bereits am 20. Februar 2026 habe ich einen Beitrag mit dem Titel „Applaus für gebrochene Pferde – oder vom Versprechen einer Illusion“ veröffentlicht. Nicht, weil es damals einen besonderen Anlass gegeben hätte, sondern einfach deshalb, weil mich dieses Thema seit vielen Jahren beschäftigt. An meiner Wahrnehmung hat sich bis heute nichts verändert. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal einen Ausschnitt aus diesem Beitrag mit Euch teilen.

Vor 27 Jahren, als ich in Denver, Colorado lebte, saß ich selbst in einer riesigen Halle. Genau der Trainer, von dem heute wieder überall die Rede ist, stand damals im Scheinwerferlicht. Die Pferde, die er präsentierte, hätten angeblich zuvor keinen Menschenkontakt gehabt – abgesehen von sauber getrimmten Hufen und sorgfältig gepflegten Mähnen. Ich höre seine Stimme noch heute. „Meine Damen und Herren – nach nur 8 Minuten und 27 Sekunden liegt der Sattel drauf.“ Er hatte nicht gelogen, der Sattel lag tatsächlich auf dem Pferd. Doch das Pferd selbst war für mich nicht vertrauensvoll, sondern innerlich verzweifelt. Sein Rennen war keine Freude an der Bewegung, sondern der Versuch, dieser Situation zu entkommen. Wenig später erklang erneut seine Stimme durch die Halle: „Nach nur 12 Minuten und 35 Sekunden sitzt der Reiter drauf.“ Das Publikum schien begeistert.

Was allerdings unerwähnt blieb: Nach einer Minute und fünfundvierzig Sekunden befand sich der Reiter bereits wieder im Sand. Dieser Umstand schien jedoch keine Rolle zu spielen, denn entscheidend war allein die demonstrierte Effizienz, messbar in Minuten und Sekunden. Nicht das Zittern unter der Haut, nicht die weit aufgerissenen Augen und auch nicht das unausgesprochene, dennoch für mich sehr klare Nein des Pferdes fanden Beachtung. An diesem Abend wurden vier Pferde auf diese Weise gearbeitet. Für mich war das ein Missbrauch dieser Pferde. Ich konnte es mir nicht bis zum Ende ansehen.

Ja, ich glaube durchaus, dass Monty Roberts etwas verändert hat. Viele Menschen begannen durch ihn, über einen anderen Umgang mit Pferden nachzudenken. Das möchte ich ihm gar nicht absprechen. Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass dieses Umdenken sehr häufig auf Kosten der Pferde stattfand, die diesen Weg mitgehen mussten. Und genau deshalb fällt es mir schwer, heute in den allgemeinen Applaus einzustimmen.

Fortschritt sollte für mich nicht daran gemessen werden, ob wir weniger hart sind als unsere Vorgänger. Fortschritt sollte daran gemessen werden, wie es dem einzelnen Pferd auf diesem Weg geht.

Damals war ich deutlich jünger und verfügte bei Weitem noch nicht über das Wissen, das ich heute habe. Aber eines habe ich bereits damals gespürt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Und je mehr ich in den vergangenen Jahrzehnten über Pferde gelernt habe, je mehr ich begonnen habe, ihr Verhalten, ihre Emotionen und ihre Art zu kommunizieren wirklich verstehen zu wollen, desto deutlicher wurde mir, warum mich dieses Gefühl nie wieder losgelassen hat.

Auch heute frage ich nicht, wie schnell ein Pferd einem Menschen folgt. Ich frage vielmehr, warum es ihm folgt. Folgt es, weil Vertrauen entstanden ist? Weil es verstanden hat, worum es geht? Weil es sich sicher fühlt? Oder folgt es, weil der Druck so groß geworden ist, dass Nähe plötzlich die angenehmere Alternative erscheint? Oder folgt es vielleicht gar nicht aus Vertrauen, sondern aus Gehorsam?

Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied. Ein Pferd, das sich dem Druck entzieht und schließlich den Menschen aufsucht, hat für mich noch lange kein Vertrauen entwickelt. Es hat zunächst einmal eine Entscheidung getroffen, die unter den gegebenen Umständen die bessere Option zu sein scheint. Vertrauen entsteht für mich nicht dadurch, dass ein Pferd aufhört wegzulaufen. Vertrauen entsteht dort, wo ein Pferd sich verstanden fühlt, wo seine Antworten wahrgenommen werden und wo der Mensch bereit ist, seine eigenen Fragen immer wieder zu hinterfragen.

Deshalb erschreckt mich heute weniger das, was ich damals in dieser Halle gesehen habe. Mich erschreckt vielmehr, dass wir fast dreißig Jahre später noch immer dieselben Bilder feiern. Dass Round Pens noch immer genutzt werden, um Fluchtverhalten gezielt hervorzurufen, obwohl diese Pferde längst mit Menschen leben, längst sozialisiert sind und uns jeden Tag aufs Neue zeigen könnten, wie Beziehung wirklich entsteht. Ich hatte gehofft, dass wir inzwischen weiter wären. Dass wir Kompetenz nicht mehr daran messen, wie schnell ein Sattel auf einem Pferd liegt oder wie viele Minuten bis zum ersten Aufsteigen vergehen, sondern daran, wie es dem Pferd auf diesem Weg geht.

Eine Trainingsmethode wird nicht dadurch richtig, dass ihr Begründer berühmt war. Und sie wird auch nicht richtiger, weil ihr Begründer gestorben ist. Jede Methode muss sich dieselbe Frage gefallen lassen: Wie geht es dem Pferd auf dem Weg? Nicht am Ende, wenn das Ziel erreicht ist, sondern in jedem einzelnen Moment dorthin.

Ich habe damals in dieser Halle gespürt, dass etwas nicht stimmt. Damals konnte ich dieses Gefühl noch nicht so klar begründen wie heute. Aber das Pferd hat mir seine Antwort schon damals gegeben.

Was mich deshalb so nachdenklich macht, ist nicht der Tod eines Menschen. Was mich nachdenklich macht, ist, dass mit ihm offenbar auch eine Trainingsmethode noch einmal gefeiert wird, die bis zuletzt darauf beruhte, Pferde durch Druck dazu zu bringen, sich dem Menschen anzuschließen, und die Aufgabe ihres Widerstandes als Vertrauen zu bezeichnen. Daran hat sich nichts geändert. Und genau deshalb fällt es mir schwer, diesen Applaus zu teilen.

Nicht der Mensch ist es, den ich kritisiere. Es ist die Lehre, die bis zuletzt verbreitet wurde und die bis heute von vielen Menschen übernommen wird. Und vielleicht sollten wir im Pferdetraining endlich damit aufhören, einzelnen Menschen zu folgen – und stattdessen wieder anfangen, den Pferden zuzuhören.

Ein interessantes langes Wochenende bei Honza Bláha in Tschechien ist zuende. War schön, meinem alten Trainer mal wieder...
28/07/2026

Ein interessantes langes Wochenende bei Honza Bláha in Tschechien ist zuende. War schön, meinem alten Trainer mal wieder beim Unterrichten zuzusehen! Die Reiter und Reiterinnen waren größtenteils schon auf einem sehr hohen Niveau und haben wie alle in diesen Tagen tolle Fortschritte gemacht! Hat mich auf jeden Fall doch wieder motiviert, eventuell einen Nachfolger für mein einzigartiges Sonny-Pony zu suchen und das "linefree collection"-Training wieder aufzunehmen!

27/05/2026

🌡️ HITZEFREI!! 🔥

Die heißen Tage kommen in diesem Jahr besonders abrupt nach einer langen, kühl-regnerischen Wetterlage.

Um Kreislaufprobleme, Koliken, Überhitzungen oder Dehydrierung zu vermeiden, gibt es ein paar einfache Regeln zu beachten:

Zuerst einmal:
💦 Ausreichend frisches Trinkwasser ist das A und O! 🪣
Ein Pferd benötigt bei der Hitze bis zu 80 l Wasser am Tag!

🚿 Richtiges Abkühlen (Waschen)
• Vorsichtig vorgehen: Sehr aufgeheizte Pferde nicht sofort mit eiskaltem Wasser abspritzen (Schockgefahr!)
• Von unten nach oben: an den Hufen und Beinen anfangen und langsam über die Hinterhand vorarbeiten.
• Wasser abziehen: Nasses Fell in der prallen Sonne wirkt wie ein Brennglas und heizt sich auf dem Körper schnell auf. Das Wasser nach dem Abspritzen unbedingt mit dem Schweißmesser abziehen!

🌳🏠 Weide- und Stallmanagement
• Schattenpflicht: Weiden müssen Unterstände oder natürliche Schattenplätze bieten!
• Stall als Zufluchtsort: Tagsüber stehen viele Pferde lieber im gut belüfteten, kühlen Stall.
• Fliegenschutz: Decken (luftig!), Masken und Fliegenspray halten lästige Insekten fern, die das Pferd zusätzlich stressen

🏋🏼‍♀️ Training anpassen
• Zeitfenster: Reiten am frühen Morgen ist an manchen Tagen die einzige Option!
• Intensität reduzieren: spätestens bei Temperaturen ab 30 Grad sollte generell auf anstrengendes Training verzichtet werden, leichte Bodenarbeit im Schatten oder ein ruhiger Schrittausritt im kühlen Wald sind dann dankbare Möglichkeiten.

Viel zu lesen, aber super erklärt!
16/05/2026

Viel zu lesen, aber super erklärt!

So wie eben schon angekündigt.
Ein total interessantes Nebenthema der Unterschiede zwischen natürlicher und synthetischer Supplementierung und erklärt auch etwas was ich immer wieder gefragt werde:
Warum die Surf& Turf Mineralien Hagebutten und/oder Sanddorn enthalten

Vitamin C beim Pferd:
Was der Körper wirklich braucht – und warum die Leber dabei entscheidend ist.

Pferde können Vitamin C selbst herstellen, aber was den wenigsten bekannt ist: Diese Eigenproduktion hängt vollständig von einer gesunden Leber ab.
Und wie wir ja wissen, ist ja insbesondere die Leber bei den meisten Pferden heutzutage chronisch überlastet.

Was das bedeutet und warum natürliche Quellen wie Hagebutten und Sanddorn so wichtig sind und warum synthetisches Vitamin C das Problem nicht löst, sondern sogar verschlimmern kann.

Was Vitamin C im Körper leistet

Vitamin C – chemisch Ascorbinsäure – hat im Körper Aufgaben, die weit über den bekannten Immunschutz hinausgehen. Es ist an mehreren lebenswichtigen biochemischen Prozessen beteiligt, von denen einige beim Pferd besonders bedeutsam sind:

Kollagenaufbau – die wichtigste Aufgabe
Kollagen ist das häufigste Protein im gesamten Körper (und das nicht nur bei Pferden). Es macht ein Drittel aller Körperproteine aus. Es bildet die Grundstruktur von Sehnen, Bändern, Knorpel, Knochen, Gefäßwänden, Haut und Darmwand.
Ohne Vitamin C kann kein Kollagen aufgebaut werden.

Der Grund:
Kollagen besteht zu einem großen Teil aus Hydroxyprolin – einer besonderen Form der Aminosäure Prolin, die erst durch ein Enzym namens Prolyl-Hydroxylase gebildet wird. Dieses Enzym benötigt Vitamin C als unverzichtbaren Kofaktor. Fehlt Vitamin C, bleibt das Kollagen strukturell schwach, denn die typische Dreistrang-Struktur des Kollagens (Trippelhelix) kann sich nicht richtig ausformen.

Das Ergebnis:
Sehnen und Bänder werden weniger reißfest, Wunden heilen schlechter, Gelenke werden instabil.
Die Folgen sind vielfältig. Neben direkten Schäden an Sehnen und Bandapparat treten auch Folgeschäden an den Gelenken auf.
Denn fehlende Stabilität bedeutet ein höheres Verletzungsrisiko und eine dauerhafte Reizung kann sowohl zu akuten Entzündungen sowie degenerative Veränderungen wie Arthrose führen. .
Auch bietet dies einen potentiellen Erklärungsansatz für manche typische moderne Phänomene wie der Zunahme von Tragerschöpfung und Hyperflexibiltät.
Selbst die Entstehung von Hufrehe und hier insbesondere die gefürchteten Strukturschäden mit Hufbeinsenkung und Rotation können durch diese Mechanismen gefördert werden.

Wenn Pferde schwächere Sehnen, instabilere Gelenke oder eine schlechte Wundheilung zeigen, lohnt es sich daher immer, auch an die Vitamin-C-Versorgung zu denken.

Weitere Aufgaben im Überblick
→ Natürliches Vitamin C schützt Zellen vor oxidativem Stress – aber, und das ist entscheidend, auf eine an den tatsächliche Bedarf angepasste Weise:
Es reagiert selektiv auf den Schaden, ohne die kleinen physiologischen Signalradikale zu blockieren, die der Körper für seine Anpassungsprozesse braucht:
Antioxidativer Schutz
→ Unterstützt die Funktion von Immunzellen und die Bildung von Antikörpern: Immunsystem
→ Verbessert die Resorption von pflanzlichem Eisen im Darm – relevant bei Pferden mit hohem Heuanteil in der Ration
→ Nebennieren benötigen Vitamin C für die Produktion von Stresshormonen – bei chronisch gestresstem oder krankem Pferd steigt der Bedarf erheblich:
Stresshormon-Synthese
→ Vitamin C reaktiviert verbrauchtes Vitamin E – beide arbeiten als Team: Regeneration anderer Antioxidantien

Das Pferd ist kein Mensch – es kann Vitamin C selbst herstellen
Der wichtigste Unterschied zwischen Pferd und Mensch in Bezug auf Vitamin C:
Menschen, Meerschweinchen und einige wenige andere Spezies können kein Vitamin C selbst synthetisieren – sie sind auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen.
Das Pferd dagegen besitzt ein Enzym, das Menschen so nicht haben:

L-Gulonolakton-Oxidase (GLO) – das Schlüsselenzym
In der Leber des Pferdes wandelt die L-Gulonolakton-Oxidase (kurz: GLO) Glukose in Ascorbinsäure um.
Das Pferd kann damit seinen gesamten Vitamin-C-Bedarf selbst decken. Aber nur wenn die Leber gesund ist und dafür ausreichend Kapazität hat und dazu mit genug Glukose versorgt ist.
Diese Eigenproduktion ist bedarfsgesteuert:
Steigt der Bedarf (wie bei Stress, Krankheit, Verletzung oder Belastung ) steigt auch die Produktion.

Das klingt zunächst so, als wäre die Vitamin-C-Versorgung beim Pferd kein Thema.
Und unter natürlichen Bedingungen mit gesundem Darm und intakter Leberfunktion stimmt das auch. Aber genau diese Voraussetzungen sind unter modernen Fütterungs- und Haltungsbedingungen häufig nicht erfüllt.

Wenn die Leber nicht mehr mithält

Die GLO-Aktivität – also die Fähigkeit der Leber, Vitamin C herzustellen – hängt von zwei Dingen ab: einer funktionierenden Leber und ausreichend Glukose als Ausgangssubstrat. Beide sind beim modernen Pferd häufig eingeschränkt.

Was die Leber des modernen Pferdes belastet
→ Bakteriengifte aus dem Leaky Gut durch Dysbiose erreichen die Leber über die Pfortader und lösen chronische Entzündung aus:
LPS (Lipopolysaccharide)
→ Toxine hemmen CYP-Enzyme der Leber – die Entgiftungskapazität sinkt, die Leber ist dauerhaft mit der Entgiftung beschäftigt:
z.B. Glyphosat
→ Präformiertes Vitamin A aktiviert Lebersternzellen (hepatische Stellatuszellen), mss dort gespeichert und entgiftet werden und fördert Fibrose; synthetisches D3 verstärkt die Calciumbelastung:
Synthetische Vitamine A und D3
→ Ammoniak aus dem dysbiosegeschädigten Hinterdarm muss in der Leber entgiftet werden. Entgiftung allgemein verdrängt alle anderen Leberfunktionen: Hyperammonämie

Wenn die Leber mit all diesen Aufgaben beschäftigt ist, bleibt für die GLO-Aktivität und damit die Vitamin-C-Produktion schlicht weniger Kapazität.

Gleichzeitig sinkt auch die Glukoseverfügbarkeit, weil die Gluconeogenese (Glukoseherstellung aus Fettsäuren) bei Dysbiose und Propionat-Mangel (Propionat ist eine freie Fettsäure, die vom Darmmikrobiom gebildet und als Baustoff und Energieträger fungiert) eingeschränkt ist.
Beides wird für die Vitamin-C-Eigensynthese benötigt.

Was das klinisch bedeutet
Vitamin C wird beim Pferd als 'nicht-essentielle' Verbindung klassifiziert – weil der Körper es selbst herstellen kann. Aber diese Klassifizierung gilt unter der Bedingung einer gesunden Leber. Beim Pferd mit chronischer Leberbelastung und Dysbiose wird Vitamin C bedingt essentiell:
Der Körper kann nicht mehr ausreichend produzieren, und genau dann steigt gleichzeitig auch der Bedarf (Entzündungen, Stress, Geweberegeneration).

Warum Stress den Bedarf zusätzlich erhöht

Unter Belastung, Krankheit oder chronischem Stress steigt der Vitamin-C-Verbrauch erheblich: Die Nebennieren verbrauchen große Mengen für die Stresshormon-Produktion, das Immunsystem zieht Vitamin C aus dem Blut, und der oxidative Stress durch Entzündungen verbraucht es als Antioxidans.
Bei einem Pferd, das ohnehin schon an der Grenze der GLO-Kapazität produziert, kann das zu einem echten Versorgungsengpass führen . Auch wenn im Labor kein offensichtlicher Mangel feststellbar ist, weil auch Vitamin C sich primär in Geweben, nicht im Blut, manifestiert.

Natürliches Vitamin C vs. synthetische Ascorbinsäure – ein wichtiger Unterschied

Viele Mineralfutter für Pferde enthalten synthetisches Vitamin C wie Ascorbinsäure als Zusatzstoff.
Das klingt zunächst unproblematisch – schließlich ist das Molekül dasselbe. Aber es gibt mehrere Gründe, warum synthetisches und natürliches Vitamin C nicht gleichwertig sind:

Synthetische Ascorbinsäure :

→ Isoliertes Einzelmolekül ohne Begleitstoffe
→ Hochdosiert – übersteigt physiologischen Bedarf
→ Supprimiert nachweislich die GLO-Aktivität der Leber
→ Blockiert möglicherweise physiologische ROS-Signale
→ Kein Synergismus mit sekundären Pflanzenstoffen
→ Stabile Lagerfähigkeit, aber biologisch weniger aktiv

Natürliches Vitamin C (Hagebutten, Sanddorn):

Eingebettet in biologische Matrix mit Bioflavonoiden
→ Bedarfsgerecht durch natürliche Konzentration und geregelte Aufnahme
→ Supprimiert GLO-Aktivität nicht
→ Lässt physiologische Signalradikale passieren
→ Synergismus mit OPC, Carotinoiden, Terpenen
→ Natürlich stabilisiert und optimale Bioverfügbarkeit durch Begleitstoffe

Das GLO-Suppressions-Problem-ein entscheidender Unterschied;

Hochdosiertes synthetisches Vitamin C hemmt nachweislich die GLO-Aktivität in der Leber.
Der Körper misst, dass er 'genug' Vitamin C hat und drosselt daraufhin die Eigenproduktion.
Was aber passiert, wenn die Supplementierung aufhört oder der Bedarf plötzlich steigt:
Die GLO-Kapazität muss erst wieder hochgeregelt werden. In der Zwischenzeit besteht ein Versorgungsengpass.

Das ist ein auffälliges Muster, das wir z.B. auch von synthetischem Vitamin E kennen:

Exogene Antioxidantien in hohen Dosen hemmen körpereigene Bedarfsanpassungsmechanismen.
Die kurzfristige Versorgung wird sichergestellt, die langfristige Eigenregulation aber untergraben.

Was über den genauen Mechanismus bekannt ist

Ob die GLO-Suppression durch einen klassischen Feedback-Mechanismus (Leber 'misst' Ascorbat-Spiegel) oder über ROS-Signalwege (die GLO-Reaktion produziert als Nebenprodukt Wasserstoffperoxid, das selbst ein Signalmolekül ist) geschieht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Beim Menschen ist belegt, dass synthetisches Vitamin C gemeinsam mit Vitamin E trainingsbedingte Anpassungssignale in Muskelzellen blockiert.
Da der Signalweg (AMPK/PGC-1alpha) bei allen Säugetieren identisch ist, gilt das auch für das Pferd.

Sanddorn und Hagebutten: Warum natürliche Quellen besser sind

Hagebutten und Sanddorn sind natürliche hochkonzentrierte Vitamin-C-Quellen für Pferde.
Aber sie liefern mehr als nur Vitamin C:

Hagebutten – Vitamin C mit antientzuendlicher Wirkung
Inhaltsstoff Funktion
Ascorbinsäure (Vitamin C) In biologischer Matrix – wird bedarfsgerecht resorbiert ohne GLO zu supprimieren
Bioflavonoide (Rutin, Quercetin) Schützen und stabilisieren Vitamin C, wirken selbst antioxidativ und antientzündlich
Carotinoide (Beta-Carotin, Lycopin) Pflanzliche Vorstufe von Vitamin A , wird bei Bedarf aktiviert , keine Leberbelastung wie durch präformiertes Vitamin A
Galactolipide (GOPO) Besonders gut untersucht bei Gelenkentzündungen – hemmen Arachidonsäure-Kaskade
Pektin, Fruchtsäuren Unterstützen Darmgesundheit und Mikrobiom

Sanddorn– Vitamin C plus Omega-7
Inhaltsstoff Funktion
Ascorbinsäure (Vitamin C) Hoch konzentriert, aber in pflanzlicher Matrix dadurch optimal bioverfügbar ohne Suppressionseffekt
Omega-7-Fettsäuren (Palmitolsäure) Unterstützen die Regeneration von Schleimhäuten z.B. in Darm, Magen und Atemwegen
Carotinoide (über 40 verschiedene) Breites natürliches Antioxidantien-Spektrum
Tocopherole (natürliches Vitamin E) RRR-alpha-Tocopherol – natürliche direkt verwendbare Form, kein all-rac-Effekt
Flavonoide, Terpene Synergistisch antientzündlich mit Vitamin C

Natürliches Vitamin C aus Hagebutten und Sanddorn ist nicht mit synthetischer Ascorbinsäure vergleichbar. Es kommt in einer Form und mit Begleitstoffen vor, die der Körper kennt und versteht.

Warum Frisches Gras die beste Quelle ist – und warum Heu nicht reicht
Frisches Weidegras enthält viel Vitamin C – aber es ist sehr instabil. Sobald das Gras geschnitten wird und Hitze, Licht und Sauerstoff ausgesetzt ist, zerfällt das Vitamin C rasch.
Heu – selbst bestes Heu – enthält nach dem Trocknungsprozess kaum noch messbares Vitamin C.
Das bedeutet: Ein Pferd ohne ausreichend Weidegang auf frischem Gras wird allein aus dem Grundfutter nicht nennenwert mit Vitamin-C versorgt.

Das ist kein Problem, solange in der Leber die GLO-Eigensynthese läuft. Aber es zeigt, warum bei Pferden mit eingeschränkter Leberfunktion insbesondere wenn kein Weidegang erfolgt natürliche Vitamin-C-Quellen in der zusätzlichen Fütterung sinnvoll sind.

Was das für die Fütterung deines Pferdes bedeutet
→ Dein Pferd kann Vitamin C selbst herstellen – aber nur wenn die Leber gesund und gut mit Vorstufen und Energie versorgt ist
→ Chronische Leberbelastung durch Dysbiose, Umweltgifte und synthetische Vitamine schränkt diese Eigenproduktion ein
→ Synthetische Ascorbinsäure als Zusatzstoff kann die GLO-Aktivität hemmen und möglicherweise physiologische Signalwege beeinträchtigen
→ Natürliche Quellen wie Hagebutten und Sanddorn liefern Vitamin C in biologischer Matrix – mit Bioflavonoiden, Carotinoiden und Omega-7 als Begleitstoffe
→ Frisches Weidegras auf naturnaher pestizidfreier Weide ist nach wie vor die beste Vitamin-C-Quelle – Heu liefert kaum noch aktives Vitamin C
→ Die Leber zu entlasten ist der effektivste Weg, die Vitamin-C-Eigenproduktion zu fördern – Darm- und Leberunterstützung sind hier der primäre Ansatz

Osteopathie mal anders. Anschauungsunterricht!
01/03/2026

Osteopathie mal anders. Anschauungsunterricht!

05/12/2025

Super erklärt! Das hab ich meinen Studies auch immer erzählt, aber leider hatte ich nie so hübsch anschauliches Becken- und Wirbelsäulenmaterial.

09/10/2025

Sehr gut erklärt!

Durchaus Gründe, warum ich das mit der Reitbeteiligung weiterhin zurück stellen sollte 🤪
04/08/2025

Durchaus Gründe, warum ich das mit der Reitbeteiligung weiterhin zurück stellen sollte 🤪

Achtung Satire..

Such Dir doch erstmal eine Reitbeteiligung haben sie gesagt....das bringt wieder etwas Freude in Dein Leben, haben sie gesagt...✌️

Mache mich also auf die Socken, denn fragen kostet nichts... außer vielleicht die Würde, Geduld und die letzten Reste meines Verstandes...denn wer glaubt, die Hölle sei ein Ort mit Feuer und Schwefel, war noch nie auf der Suche nach einer Reitbeteiligung. 🙄
Es beginnt harmlos.... Der Gedanke von ein bisschen Stallluft, der Geruch von Heu, das Gefühl von Freiheit im Sattel. Doch schon nach dem ersten Blick auf einschlägige Plattformen dämmert es mir : Hier reitet keiner gen Sonnenuntergang.... hier galoppiert man schnurstracks in den Wahnsinn.🙈

Die Inserate lesen sich wie Stellenanzeigen für olympiareife Pferdeflüsterer. „Suche Reitbeteiligung für 4-jährigen Ausnahme - Talent - Hengst, noch roh, mit grandiosem Potential aber sehr sensibel. Nur mit Turniererfahrung, Reiten nach klassischen Grundsätzen, gerne Légèreté. KEINE Anfänger. Nur unter 50 kg, da Pferd zierlich.“ Unterricht zwingend erwünscht, immerhin zum reduzierten Selbstkostenpreis von 150 Euro die halbe Stunde.
Das Pferd? Ein Hafi mit dem Körperbau eines Traktors und dem Geisteszustand eines pubertierenden Wildschweins.... Wahrlich eine Ausnahmeerscheinung. 🤨
Der Besitzer? Mitte 50, spirituell erwacht, hat „Pferdekommunikation“ studiert.... auf YouTube. Seine Vorstellung von Bodenarbeit ist ein wilder Mix aus verschwurbelten Zirkuslektionen, barockem Pathos und der festen Überzeugung, dass ein Pferd aus dem Schritt in die Piaffe geht, wenn man es nur lange genug anschreit.... pardon, energetisch leitet.🥴

Dann gibt es jene Inserate, bei denen ich nicht weiß, ob ich mich bewerben oder eine Therapiestunde anbieten soll.
„Mein Pferd hat schlimme Erfahrungen gemacht. Männer mag er nicht. Frauen eigentlich auch nicht. Menschen nur so mittel. Er beißt, tritt, steigt, aber nur wenn man ihn falsch behandelt! Ich suche jemanden, der drei bis viermal die Woche kommt, alles zahlt, nicht reitet und erstmal mein Vertrauen gewinnt.“
A*o, ja klingt einleuchtend... 🙏
Dazu ein mitleiderregendes Foto eines Wallachs, der mit wildem Blick in eine Mistgabel beißt, während im Hintergrund eine zerlegte Schubkarre raucht.😱

Geil ist auch der monetäre Offenbarungseid und diverse finanziellen Fantasien: „Suche RB für 2x die Woche, 250 Euro im Monat. Bitte KEINE Anfänger, ab M Niveau, Turniererfahrung erwünscht. Stallarbeit übernehmen, Hufschmied zahlen, Ausrüstung bitte selbst mitbringen.“
Der Gaul? 27, chronisch lahm, mit Cushing, Heustauballergie und dem Bewegungsdrang eines Sofa-Kisses. Sensationell...nicht?
Frage, warum so teuer? „Naja, der Stallplatz kostet ja auch. Und ich brauch das Geld, um mir ein zweites Pferd zu kaufen. Das will ich dann aber alleine reiten.“
Ah ja. Natürlich. Wer braucht schon Logik, wenn man auch grenzenlose Gier ausleben kann?🫣

Schön auch: Stallromantik mit Psychodrama.
Ist man endlich bei einer „interessanten Option“ zum Probereiten eingeladen, beginnt das wahre Abenteuer ... .
Du stehst pünktlich um 8 Uhr im Stall. Die Besitzerin kommt um 9. Ungewaschen, etwas wirr im Haar, genüsslich an einem Dübel ziehend ... und begrüßt mich mit den Worten:
„Also eigentlich will ich ja nicht, dass ihn jemand reitet … aber ich such halt wen, der sofort da ist, wenn ich rufe. Kann auch nachts sein. Letztes Jahr ist er beim Vollmond nämlich ausgebrochen, weil er transzendal gespürt hat, dass ich schlecht geträumt hab.“
Soso... Ach, schräge Menschen bin ich gewohnt, also rauf auf den heiligen Gral der Pferd-gewordenen Spiritualität.
Reite eine Runde im Roundpen. Der Wallach buckelt, furzt, rennt durch den Zaun, verliert mich unterwegs im Gebüsch. Die Besitzerin lacht selig und stellt, nach einem weiteren kräftigen Zug am Dübel gechillt fest:
„Ach, das ist doch gut! Der testet dich nur! Wenn er jemanden wirklich hasst, stellt er sich immer tot.“
Na dann...🤷

Fazit: Wer braucht noch eine Netflix-Serie, wenn er ins Reitbeteiligungs-Game einsteigen kann?
Die Suche nach einer Reitbeteiligung ist kein Hobby. Es ist eine Mutprobe, eine spirituelle Reise, ein Live-Experiment zur anthropologischen Erforschung der kollektiven Vernunftserosion.
Doch eines ist sicher: Wer das überlebt, kann auch n***t auf einem Mustang durch Sibirien reiten.... 👍

Bin gespannt, ob und wie diese Reise weitergeht....🤔

Foto: er liebte seine Reitbeteiligung Beata (rechts)

24/07/2025

Die klären gerade die Rangordnung …“

Ein Satz, den man immer wieder liest und hört.
Aber: Er hält wissenschaftlich nicht stand.

Verhaltensforscher:innen wie McDonnell, Feh, Fraser und Kiley-Worthington haben über Jahrzehnte das Sozialverhalten von Pferden untersucht – in freier Wildbahn wie in Gefangenschaft.

Ihre Erkenntnisse:

Pferde haben keine starre Rangordnung wie Hühner oder Wölfe.
Sie organisieren sich in dynamischen, situationsbezogenen Hierarchien.
Futter, Ruheplätze und Bewegung werden oft situativ verhandelt, nicht durch Gewalt geregelt.
Gewalt ist selten – und fast immer ein Zeichen für Instabilität, Ressourcenknappheit oder Stress.

Studien zeigen:
•In stabilen Herden ist die Anzahl an echten Auseinandersetzungen minimal.
•Dominanzverhalten ist hoch ritualisiert (z. B. Drohblick, Ohren, Abstand), nicht körperlich aggressiv.
•Wunden, Lahmheiten und Unruhe treten überproportional in gemischten, instabilen Gruppen auf – v. a. wenn zu wenig Platz oder Ressourcendruck herrscht.

Quelle u. a.:
– Feh et al. (1993): Social behaviour and dominance relationships in a herd of Camargue horses.
– McDonnell (2003): The Equid Ethogram.
– Kiley-Worthington (1990): Equine Ethology.

Was NICHT stimmt:
•„Die müssen das unter sich klären.“ → Nein.
•„Das braucht’s für die Rangordnung.“ → Falsch.
•„Das ist halt normal.“ → Nur in schlechten Haltungsbedingungen.

Warum dieser Mythos gefährlich ist:
•Er legitimiert Wegschauen bei Gewalt.
•Er verharmlost Verletzungen und Traumata.
•Er verhindert, dass wir verantwortungsvoll handeln.

Was Pferde brauchen:
•Viel Raum zur Ausweichbewegung
•Feste, stressfreie Fütterung (kein Rangeleien um Heu!)
•Stabile Gruppenstruktur mit sozial kompetenten Tieren
•Aufmerksame Menschen, die nicht „Rang“ rufen, wenn ein Pferd Angst hat.

„Rangordnung klären“ ist keine biologische Notwendigkeit.
Es ist ein Ausdruck von Überforderung – nicht von Natur.

Wer Verantwortung übernimmt, lässt nicht klären –er gestaltet.


Das Pferdchen hat sich vor lauter Gähnerei gar nicht mehr eingekriegt! Ich freu mich, wenn meine Arbeit dem Patienten ge...
16/07/2025

Das Pferdchen hat sich vor lauter Gähnerei gar nicht mehr eingekriegt! Ich freu mich, wenn meine Arbeit dem Patienten gefällt!

Adresse

Oberzeuzheim

Öffnungszeiten

Montag 09:00 - 17:00
Dienstag 09:00 - 17:00
Mittwoch 09:00 - 17:00
Donnerstag 09:00 - 17:00
Freitag 09:00 - 17:00

Telefon

+4916099167316

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