24/05/2025
EMPÖRUNG!!! Eine übergewichtige Frau sitzt auf einem viel zu kleinen, unterbemuskelten Pony, der Sattel rutscht nach vorne, der Hals wirkt schwach, das Bild schreit geradezu nach Tierquälerei. Ein Paradebeispiel für vermeintlich unverantwortliches Reiten!
EKELHAFT!! - denkt man – und urteilt in Sekundenschnelle.
Doch der Schein trügt. Denn die Frau auf dem Bild bin ich. Ich bin 1,60 Meter groß – ebenso wie das Tier, das ich reite (1,56 Stockmaß). Kein Pony, sondern ein kräftiges Muli. Bergab ging es auch noch.
Und das Bild? Es wurde von oben aufgenommen, mit einem Fischaugenobjektiv auf einem Stick, das Proportionen verzerrt, Perspektiven verschiebt und einen völlig anderen Eindruck vermittelt, als die Realität ihn hergeben würde.
Gegenüber stehen die glänzenden Welten der sozialen Medien: durchgestylte Reiter, vermeintlich gesunde Pferde, perfekte Posen im goldenen Abendlicht. Alles scheint harmonisch, ästhetisch, beinahe übermenschlich ideal. Doch auch diese Bilder sind nicht frei von Manipulation. Filter, Licht, Winkel, Bearbeitung – es ist leicht, eine makellose Geschichte zu erzählen, wenn man nur die passenden Werkzeuge nutzt.
Und so stellt sich eine einfache, aber entscheidende Frage: Wieviel Wahrheit steckt wirklich in dem, was wir hier in den Sozialen Netzwerken sehen?
Vielleicht ist das Muli gar nicht zu klein, hat keinen dicken Bauch und der Sattel liegt perfekt. Vielleicht ist das Pferd garnicht so spektakulär oder happy, der Reiter garnicht so schön anzusehen. Vielleicht liegt der Irrtum vielmehr in unseren Blicken, in dem, was wir glauben zu wissen, bevor wir hinterfragen.
Denn vieles, was wir für objektiv halten, ist in Wahrheit lediglich ein Produkt von Perspektive – und von Erwartung.
Ein Bild kann täuschen. Und ein schönes Bild kann ebenso irreführen wie ein scheinbar schockierendes. Es lohnt sich, innezuhalten, genauer hinzusehen und den Raum zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung nicht vorschnell mit Urteil zu füllen. Denn nicht alles ist so, wie es scheint. Und manchmal liegt die Wahrheit jenseits des ersten Blicks – verborgen in einem anderen Blickwinkel. Und am besten vor Ort mit echten Menschen und echten Equiden.
P.S.: War ein schöner Tag. Sind 15km geritten. Wir haben über dieses Bild danach echt abgegeiert.