25/04/2026
Ein paar Gedanken zu geschenkten / billig gekauften Sportpferden
„Ich habe das Pferd geschenkt bekommen. Bei mir muss es nicht mehr viel machen. Hier soll er es gut haben.“
Das habe ich schon mehrfach gehört.
Die Pferde gingen vorher im Sport. Dressur oder Springen oder Western.
Sie sind noch gar nicht so alt. 16, 17, 18 Jahre.
Aber ich werde dann doch irgendwann wegen einer Lahmheit gerufen.
„Vielleicht hat er sich ja was ausgerenkt.“
Die Hoffnung auf eine osteopathische Läsion. Schnell behoben und dann läuft er wieder.
Aber leider ist das nie so bei diesen Pferden.
Sie alle haben chronische Erkrankungen im Bewegungsapparat. Aus diesem Grund hat der Vorbesitzer sie ja auch aussortiert.
Sie haben Schale oder Spat oder Trageerschöpfung oder schlimme Huffehlstellungen mit grauenhaftem Beschlag oder, oder, oder.
Und manchmal alles davon.
Und wenn ich die neuen Halter dann darauf hinweise, dass dieses Pferd bei jedem Schritt Schmerzen hat, dass es schon mit dem eigenen Gewicht und dem eigenen Körper Probleme hat und dass diese sich massiv verschlechtern, wenn man sich auch noch oben drauf setzt und etwas von diesem Pferd will, sehe ich immer die gleichen Reaktionen:
die Gesichter werden starr, der Blick geht woanders hin, die Leute werden erstmal still.
Und dann kommt immer das selbe in verschiedenen Varianten:
„An den kleinen Schrittrunden kann es ja wohl nicht liegen!“
oder
„Der muss sich aber mal richtig bewegen, ohne reiten ist ihm das zu langweilig.“ (Nein, DIR ist das zu langweilig!)
oder
„Also, meine Tochter muss mit ihm aber noch das Reitabzeichen machen, dass muss doch wohl noch drin sein! Der ist doch vorher M und S gegangen!“
Solche Geschichten machen mich unglaublich traurig und ich habe manchmal keine Lust mehr, Pferde zu behandeln, da es bei sehr, sehr vielen Menschen nur ums reiten geht!
(Das gilt natürlich nicht für meine lieben Pferdekunden, die ihr chronisch krankes Pferd liebevoll pflegen und sich wünschten, es nochmal reiten zu können!)
Erst gestern hatte ich wieder so ein Erlebnis und meine Gedanken kreisen ständig darum.
Und wieder bin ich die einzige, die Klartext redet!
Tierarzt: „Er muss bewegt werden, auch geritten.“
Schmied: „Die Zwanghufe sind genetisch bedingt, das ist bei denen so, da kann man nichts dran ändern.“
Trainer: „Der muss mal richtig flott bewegt werden!“
Sattler: „Der alte Sattel passt nicht, daran liegt es.“ und verkauft Sattel für dieses Pferd.
(Wenn die Aussagen so stimmen, sie stammen von der Halterin.)
Das Pferd hat starke Schmerzen in Hals, Nacken, Rücken, Vorderbeinen. Die bilde ich mir nicht ein! Die schmerzhaften Bereiche habe ich der Halterin gezeigt. Z. B. starkes Kopfschlagen bei bloßer Berührung des Trapezmuskels.
Trotzdem bin ich jetzt raus. Denn die Lösungen der anderen Fachleute klingen so viel besser.
_________(\_/)________
Anja Krajewski
www.tierheilpraxis-morsbachtal.de
Foto: freepic rider-trains-with-horse.jpg&token=exp=1777102960~hmac=b89e801549753ca9fdcde781bd6b961f&filename=27940