31/07/2026
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ACHTUNG: Die nächste „Pflegereform“ kommt. Bitte erhöhen sie ihren Dispokredit!
Die Politik arbeitet wieder mit Hochdruck daran, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen finanziell zu entlasten. Also zumindest von ihrem Geld.
Ein Referentenentwurf liegt bereits vor. Ab Herbst könnte daraus Realität werden.
Die beruhigende Botschaft lautet:
„Keine Sorge, bei der Tagespflege wird nicht gekürzt!“
Großes Politikerehrenwort. Man darf nur nicht zu genau hinsehen, nicht nachrechnen und auf keinen Fall das Kleingedruckte lesen.
Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz, kurz PNOG, ist ein politisches Meisterstück. Leistungen werden angeblich nicht gekürzt. Sie werden lediglich so umgebaut, eingeschränkt und unbrauchbar gemacht, dass am Ende trotzdem weniger bei den Versicherten ankommt.
Offiziell bleibt das Budget für die Tagespflege nach § 41 SGB XI bestehen. Das klingt beruhigend und eignet sich hervorragend für Pressemitteilungen.
Was dort lieber nicht erwähnt wird:
Wer eine Tagespflege besucht, muss Essen, Getränke, Unterkunft und weitere Kosten selbst bezahlen. Je nach Pflegegrad und Anzahl der Besuchstage kommen schnell mehrere Hundert Euro im Monat zusammen.
Bisher konnten Familien diese Belastung zumindest teilweise über den Entlastungsbetrag nach § 45b oder Leistungen der Verhinderungspflege nach § 39 abfedern.
Genau diese Möglichkeiten sollen ab 2027 eingeschränkt, gekürzt oder mit neuen Regeln so weit verrammelt werden, dass sie für viele Pflegebedürftige praktisch nicht mehr nutzbar sind.
Die Tagespflege wird also nicht gekürzt. Sie wird nur für viele Menschen unbezahlbar gemacht. Ein feiner Unterschied, zumindest auf dem Papier.
Für Pflegebedürftige bedeutet das:
Wer sich die Eigenanteile nicht mehr leisten kann, reduziert seine Besuchstage oder bleibt ganz zu Hause. Weniger soziale Kontakte, weniger Aktivierung, weniger Teilhabe. Dafür gibt es wieder mehr Einsamkeit im eigenen Wohnzimmer. Fortschritt sieht offenbar genauso aus.
Für pflegende Angehörige bedeutet das:
Die dringend benötigte Entlastung fällt weg. Angehörige dürfen noch mehr auffangen, noch länger durchhalten und dafür möglicherweise auch noch geringere Rentenbeiträge hinnehmen.
Damit nicht genug: Das PNOG verschiebt Zuschüsse zu den Pflegeheimkosten zeitlich nach hinten. Gleichzeitig wird offen darüber diskutiert, die 100.000-Euro-Einkommensgrenze für Angehörige zu kippen. Der Staat zieht sich zurück, die Kinder bekommen die Rechnung. Das nennt sich dann vermutlich wieder „familiäre Verantwortung“.
Für Tagespflegen bedeutet das:
Wenn Gäste ihre Eigenanteile nicht mehr bezahlen können, bleiben Plätze leer. Weniger Auslastung bedeutet weniger Einnahmen. Weniger Einnahmen bedeuten Standortschließungen.
So lässt sich eine Versorgungsstruktur natürlich auch beseitigen. Man verbietet sie nicht. Man entzieht ihr einfach die finanzielle Grundlage und erklärt anschließend bedauernd, der Markt habe entschieden.
Und wer soll dieses Desaster künftig politisch verantworten?
Ausgerechnet ein Gesundheitsminister, der 2025 noch selbst erklärte, als Gesundheitsminister wäre er wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.
Aber was interessiert die eigene Einschätzung von gestern?
Einen Doktortitel hat er immerhin. Nicht in Medizin, Pflege oder Gesundheitswissenschaften, sondern in Volkswirtschaft.
Passt also hervorragend. Denn wer Pflege nur noch als Kostenstelle betrachtet, braucht offenbar keine Ahnung von Pflege. Eine Tabelle, ein Rotstift und ein freundliches Gesicht bei der Verkündung der Kürzungen reichen völlig aus.
Hauptsache, die Zahlen stimmen. Scheißegal, wie viele Menschen danach allein zu Hause sitzen, wie viele Angehörige zusammenbrechen und wie viele Pflegeeinrichtungen schließen müssen.
Unser Fazit:
Das ist keine Pflegereform.
Das ist ein staatlich verordnetes Sparprogramm auf dem Rücken von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegeeinrichtungen.
Wir sparen dieses Land kaputt. Und zwar auf Kosten der Menschen, die es aufgebaut, jahrzehntelang gearbeitet und ihre Beiträge bezahlt haben.
Jetzt, wo sie Hilfe benötigen, erklärt man ihnen, dass sie zu teuer sind.
Das ist nicht nur schlechte Politik. Das ist unanständig.
Wir sind wütend. Wir sind traurig. Und wir haben dieses politische Täuschungstheater satt.
Teilen Sie diesen Beitrag. Schreiben Sie Ihren Abgeordneten. Fragen Sie konkret nach, ob sie überhaupt verstanden haben, was sie da beschließen.
Vielleicht hilft Nachfragen. Lesen und Nachdenken scheinen im politischen Betrieb schließlich keine Einstellungsvoraussetzungen zu sein.
Den vollständigen Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes finden Sie auf www.ahd-pflege.de/aktuell