19/06/2026
Gestern war die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.
Gastredner war Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Sein erster Satz war alarmierend:
„Dieses Gesetz, das kommen wird, ist das Ende des unbegrenzten Leistungsversprechens der Medizin in Deutschland.“
Die geplante Gesundheitsreform ist vor allem eines: eine Sparreform. Gespart werden soll dort, wo 84 % der medizinischen Versorgung stattfindet – bei niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten.
Die Folgen wären gravierend:
• Ambulante Leistungen werden gedeckelt.
• Präventionsangebote werden reduziert.
• Haus- und Kinderärzte sollen wieder budgetiert werden.
• Ambulante Operationen werden begrenzt.
• Wartezeiten werden weiter steigen.
Im Klartext: Ist das Budget einer Praxis ausgeschöpft, können Kassenpatienten nicht mehr behandelt werden. Termine werden verschoben, Wartelisten wachsen. Wer zahlen kann, kommt schneller dran. Wer es nicht kann, wartet.
Damit droht eine politische Einführung der Zwei-Klassen-Medizin.
Besonders betroffen wären Kinder, chronisch Kranke, psychisch Erkrankte und Patienten in ländlichen Regionen. Schon heute geben vielerorts Kollegen ihre Kassenzulassung zurück, weil Praxen wirtschaftlich kaum noch tragfähig sind.
Besonders absurd: Seit Jahren fordert die Politik mehr ambulante statt stationäre Eingriffe, um Kosten zu sparen. Nun sollen ausgerechnet diese ambulanten Leistungen gedeckelt werden. Wird das Budget erreicht, werden notwendige Eingriffe faktisch nicht mehr vergütet.
Die Reaktion der Ärzteschaft ist eindeutig: Versorgung wird künftig nur noch in dem Umfang möglich sein, in dem sie finanziert wird.
Das Tragische daran: Die Leidtragenden werden nicht Politik oder Krankenkassen sein, sondern die Patienten.
Deutschland hatte lange eines der zugänglichsten Gesundheitssysteme der Welt. Mit dieser Reform droht ein fundamentaler Bruch.
Wer Milliarden aus dem System kürzt und gleichzeitig auf echte Strukturreformen verzichtet, darf sich über längere Wartezeiten, Versorgungsengpässe und eine zunehmende Zwei-Klassen-Medizin nicht wundern.
Die Politik nennt es Reform. Viele an der Basis erleben es als Rückbau unseres Gesundheitssystems.