Schmerzdoc-Axel Menzebach

Schmerzdoc-Axel Menzebach Praxis für Schmerzmedizin & Psychotherapie
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„Jedes Publikum kriegt die Vorstellung, die es braucht“, schrieb Curt Goetz einmal. Vielleicht gilt das auch für politis...
01/09/2026

„Jedes Publikum kriegt die Vorstellung, die es braucht“, schrieb Curt Goetz einmal. Vielleicht gilt das auch für politische Debatten: Man bekommt die Diskussion, die man zulässt.

Letzte Woche hat der Bundeskanzler das ganz gut vorgeführt. Auf die Kritik einer Kinderärztin am Sparkurs im Gesundheitswesen antwortete er durchaus auch mit Argumenten – verstieg sich aber eben auch zu: „Sie sind ja auch Nutznießerin dieses Systems.“

Nutznießer klingt für mich wie Kunstschaffender: Technokratensprache, die die Individualität eines Menschen durch eine Funktionszuordnung ersetzt. Letztlich klingt es auch einfach wie Schmarotzer, nur höflicher verpackt.

Mein Selbstbild ist ein anderes: Ich bin Arzt.
Das heißt für mich mehr als Diagnosen stellen und behandeln – ich erlaube mir einen ganzen Blick auf den Menschen, der vor mir sitzt, nicht nur auf sein Symptom. Dafür angemessen bezahlt zu werden, ist keine Bedienung am System, sondern eine verdiente Gegenleistung für eine spezialisierte Versorgung mit langer Ausbildung, viel Erfahrung und Expertise.
Wer das nicht honorieren möchte, sollte einfach die Freiheit und Möglichkeit haben, dann eine andere Variante im Gesundheitssystem „genießen“ zu dürfen. Mehr Wahl-Freiheit für Patienten, unternehmerische Freiheit für Ärzte, weniger Staat, das sind Sachen, die schnell dekouvrieren würden, was Sh*t-Medizin und Sh*t-Angebote sind, und was wirklich trägt.

Es braucht natürlich einen echten Schnitt im Gesundheitssystem, vielleicht sogar Disruption – und die unbequemen Wahrheiten, die dazugehören. Wer ihnen ausweicht, greift natürlich stattdessen zu Etiketten. Das ersetzt kein Argument, es kaschiert nur, dass keins da ist.

Für mich bleibt am Ende: Diese Debatte ist weitgehend vergiftet, vor allem sobald es ums Geld geht. Wahrscheinlich muss sich künftig jeder seine eigene Rolle in diesem System neu suchen, ob als Patient, Arzt oder Pflegender. Wertschätzung jedenfalls spüre ich vom System kaum noch – die hole ich mir über meine Arbeit und meine Patienten.

Das unterschätzte Dreieck: ADHS, Depression und chronischer SchmerzADHS – die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstö...
21/08/2026

Das unterschätzte Dreieck: ADHS, Depression und chronischer Schmerz

ADHS – die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – ist eine neurobiologisch bedingte Störung der Aufmerksamkeitssteuerung und Impulskontrolle. Sie beginnt in der Kindheit, wird aber bei vielen Menschen erst im Erwachsenenalter erkannt – oft über Jahrzehnte gar nicht.

In den letzten Monaten erreichen uns spürbar mehr Anfragen nach ADHS-Testung. Ich sehe das nicht kritisch, sondern als überfällig.

Das zeigt sich bei uns auf zwei Wegen: bei Menschen mit chronischen Schmerzen, die seit Jahrzehnten eine unentdeckte ADHS-Symptomatik mit sich tragen – und bei Patienten, die zunächst mit Erschöpfung oder depressiven Symptomen kommen, wo sich im Verlauf zeigt, dass eigentlich ADHS dahintersteckt. Gerade bei Erwachsenen, gerade bei Frauen, wurde das lange übersehen.

Der Grund: ADHS, Depression und chronischer Schmerz teilen gemeinsame biologische Wurzeln – eine gestörte Dopamin- und Noradrenalin-Regulation, die Aufmerksamkeit, Stimmung und Schmerzverarbeitung gleichzeitig prägt.

Wichtig ist mir: Eine seriöse ADHS-Diagnostik ist kein Online-Fragebogen. Eine fundierte Testung besteht aus mehreren Bausteinen – strukturiertes Interview, Selbst- und Fremdbeurteilung, psychologische Testverfahren. Doch selbst das reicht nicht aus: Am Ende braucht es die klinische Einschätzung eines erfahrenen Facharztes, der das Gesamtbild bewertet. Eine ADHS-Diagnose ist eine ärztliche Entscheidung, kein Testergebnis, das für sich selbst spricht.

Für die Praxis bedeutet das: genauer hinschauen, öfter fragen, seltener isoliert behandeln – und gründlich diagnostizieren, statt schnell zu labeln.

Habt ihr das Gefühl, dass ADHS bei euch selbst oder in eurem Umfeld lange übersehen wurde?

Praxisurlaub 🌴Vom 24.08. bis 13.09.26 machen wir Pause – ab dem 14.09. sind wir wieder wie gewohnt für euch da.In dieser...
17/08/2026

Praxisurlaub 🌴

Vom 24.08. bis 13.09.26 machen wir Pause – ab dem 14.09. sind wir wieder wie gewohnt für euch da.

In dieser Zeit werden leider keine E-Mails, Rezeptanfragen oder sonstige Anliegen bearbeitet.

Termine können jederzeit online über unsere Homepage oder über Doctolib gebucht werden.

Wir wünschen allen Patienten eine gute Zeit und freuen uns, euch ab Mitte September wieder ausgeruht begrüßen zu dürfen.

🍣🍱 Ein guter Sushi-Meister braucht keine Speisekarte mit 60 Gerichten. Er konzentriert sich über Jahre auf wenige Zutate...
17/08/2026

🍣🍱 Ein guter Sushi-Meister braucht keine Speisekarte mit 60 Gerichten. Er konzentriert sich über Jahre auf wenige Zutaten und bringt deren Kombination zur Perfektion.
Nach etlichen Jahren in der Schmerztherapie habe ich dieselbe Erkenntnis gewonnen: Man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen oder Patienten mit unzähligen Behandlungen überfrachten. Der Erfolg liegt darin, die wesentlichen Stellschrauben präzise zu beherrschen.

Meine 4 (Top-) Bausteine für die Praxis:

* Menschlich und ehrlich bleiben
Wenn wir nicht auf Augenhöhe reden, bringt die beste Medizin nichts. Vertrauen ist das Fundament, damit das Nervensystem überhaupt aus dem Dauerstress findet.

* Das psychosomatisch/psychotherapeutische Gespräch
Schmerz wird im Gehirn bewertet. Im gezielten Gespräch nehmen wir dem überaktiven Sympathikus den Nährboden und fahren den zerebralen Dauer-Alarm herunter.

* Die sauber abgestimmte Medikation
Viele Schmerzpatienten brauchen völlig zu Recht mehrere Wirkstoffe. Wichtig: das ist kein Wildwuchs, sondern ein solides biochemisches Fundament für die Nervenzellen.

* Die ergänzende Akupunktur
Wir nutzen Körper- und Ohrakupunktur, um über den Vagusnerv direkte Reize an den Hirnstamm zu senden – wie eine biologische Notbremse für Entzündung und Anspannung.

Fazit: Wenige, wirksame Werkzeuge beherrschen und ehrlich miteinander umgehen. Das reicht völlig aus.

Verrennt man sich im Medizin-System manchmal in zu vielen Baustellen?
Schreib es mir in die Kommentare. 👇

Klinikaufenthalt geplant? Nehmt euren Medikationsplan mit.Egal ob geplante OP oder Reha: Wer als chronischer Schmerzpati...
14/08/2026

Klinikaufenthalt geplant? Nehmt euren Medikationsplan mit.

Egal ob geplante OP oder Reha: Wer als chronischer Schmerzpatient in eine Klinik kommt, bringt oft eine mühsam und langwierig optimierte Medikation mit. Trotzdem wird sie vor Ort manchmal ohne triftigen Grund abgesetzt oder umgestellt – und wir müssen hinterher wieder von vorne aufbauen.

Deshalb: aktuellen Medikationsplan einstecken, in der Klinik aktiv ansprechen, dass ihr chronische Schmerzpatienten seid und eure Therapie weiterlaufen soll. Es dauert sonst oft Tage, bis eure Medikation überhaupt gefunden wird.

Und noch etwas: Auch als chronischer Schmerzpatient könnt ihr zusätzlich akute Schmerzen haben. Eine neue Knie-OP bei bestehendem Rückenleiden tut zusätzlich weh – da kann eine Ontop-Medikation notwendig sein.

Bei Fragen oder Unsicherheit dürfen die behandelnden Ärzte in der Klinik uns gerne direkt kontaktieren.

Wart ihr schon mal in dieser Situation? Erzählt’s uns.

Keine Kopfsache. Eine Nervensache.Viele meiner Patienten mit Fibromyalgie kennen denselben Weg: Am Anfang steht oft der ...
10/08/2026

Keine Kopfsache. Eine Nervensache.

Viele meiner Patienten mit Fibromyalgie kennen denselben Weg: Am Anfang steht oft der Verdacht auf Rheuma. Der lässt sich meist rasch ausschließen – Entzündungswerte unauffällig, Rheumafaktoren negativ. Und dann? Landet die Erkrankung häufig im orthopädischen Formenkreis. Oder im psychiatrischen. Chronische Schmerzen im ganzen Körper, dazu Erschöpfung, Schlafstörungen, Fibro-Fog – aber in Blut, Röntgen oder MRT: unauffällig. So wurde die eigentliche Ursache immer wieder übersehen.

Eine neue Metaanalyse aus Toronto zeigt jetzt: Die genetischen Risikofaktoren liegen fast ausschließlich in Genen mit Funktion im zentralen Nervensystem – angereichert in Hirngewebe, nicht in Muskel oder Bindegewebe. Auch die starken Überschneidungen mit Kreuzschmerz, PTBS und Reizdarmsyndrom passen ins Bild: Es geht um die Verarbeitung von Schmerz, nicht nur um das Gewebe, in dem er entsteht.

Für mich heißt das vor allem: Fibromyalgie ist keine Erkrankung von der Stange. In der Praxis sehe ich Patienten mit ganz unterschiedlicher Gewichtung – bei den einen dominieren eher periphere, orthopädisch geprägte Beschwerdebilder, bei anderen steht die zentrale Übererregbarkeit klar im Vordergrund. Genau das muss sich in der Medikation widerspiegeln, nicht ein Schema für alle.

Was sich seit Jahren klinisch andeutet, bestätigt sich jetzt genetisch: Fibromyalgie ist keine Ausschlussdiagnose – sie ist real, neurobiologisch fassbar und gehört entsprechend differenziert behandelt.

Wie war das bei euch: eher in die orthopädische Schiene geschoben, in die psychiatrische – oder wurde das Gesamtbild von Anfang an erkannt?

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 03.08.2026 – „Metaanalyse findet biologische Grundlage für Fibromyalgie im Nervensystem“

Ehrlich gesagt habe ich das in der Praxis schon länger gesehen, bevor es dazu eine Studie gab.Bei einigen Patienten mit ...
06/08/2026

Ehrlich gesagt habe ich das in der Praxis schon länger gesehen, bevor es dazu eine Studie gab.

Bei einigen Patienten mit einer diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung war Medizinisches C4nnabis neben der Psychotherapie ein wichtiger Baustein der Behandlung – nicht der einzige, aber ein wirksamer. Denen ging es darunter spürbar besser: weniger Albträume, ruhigerer Schlaf, weniger nächtliche Panik.

Früher wurde das gern abgetan: „die wollen sich doch nur wegbeamen aus dem Alltag.“ Ich habe das in der Mehrzahl der Fälle nicht so gesehen. Jetzt zeigt eine Studie der Charité – veröffentlicht in Nature Medicine, einem der renommiertesten medizinischen Fachjournale der Welt –, dass da mehr dahintersteckt: THC greift offenbar gezielt im REM-Schlaf in die Verarbeitung der traumatischen Erinnerungen ein. 171 Teilnehmer, randomisiert, placebokontrolliert, eigenfinanziert. Über ein Drittel der Behandelten war nach 10 Wochen albtraumfrei.

Genau deshalb ist der Zeitpunkt so bitter: Der Zugang zu Medizinischem C4nnabis wird gerade in vielen Fällen erschwert – während die wissenschaftliche Evidenz für seine Wirksamkeit immer eindeutiger wird. Das passt einfach nicht zusammen.

Kanntet ihr das schon aus eurem Umfeld – Selbstmedikation vor der Diagnose?



*Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Studie unter Leitung von Prof. Stefan Röpke, veröffentlicht in Nature Medicine (2026)*

Der Abstieg verlangt mehr Präzision als der Aufstieg.Nach einer Operation, einer schweren Verletzung oder einer Wunde, d...
05/08/2026

Der Abstieg verlangt mehr Präzision als der Aufstieg.

Nach einer Operation, einer schweren Verletzung oder einer Wunde, die sich hartnäckig weigert zu heilen, ist eine hochdosierte Schmerzmedikation oft die richtige Entscheidung. Problematisch wird es erst später: Bessert sich die Lage, wird die Dosis in der Praxis viel zu selten konsequent zurückgeführt.

Der Organismus hat sich in der Akutphase an die Substanz adaptiert — Toleranzentwicklung setzt häufig schon nach zwei, drei Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Wird zu forsch reduziert, treten Entzugssymptome auf, die sich vom ursprünglichen Schmerz kaum unterscheiden lassen. Viele Patienten interpretieren das als Beleg, dass die Dosis noch gebraucht wird, und führen sie fort.

Genau darin liegt die eigentliche Gefahr: Aus einer befristet gedachten, gut begründeten Hochdosis-Therapie wird unbemerkt eine Dauermedikation — obwohl der akute Anlass, die OP, die Wunde, das Trauma, längst behoben ist. Das Absetzen verdient deshalb denselben professionellen Blick wie das Aufdosieren: einen strukturierten Plan statt einer Entscheidung zwischen Tür und Angel.

Kennt ihr das aus eurer Praxis oder eigenen Erfahrung — dass eine eigentlich befristete Medikation sich verselbstständigt hat?

Patientin, Mitte 40, seit 8 Jahren Rückenschmerz. Drei MRTs, zwei Reha-Aufenthalte, jede Menge Physio — alles unauffälli...
02/08/2026

Patientin, Mitte 40, seit 8 Jahren Rückenschmerz. Drei MRTs, zwei Reha-Aufenthalte, jede Menge Physio — alles unauffällig, alles ohne nachhaltige Besserung. Erst beim dritten Termin frage ich nach ihrer Kindheit. Die Antwort erklärt mehr als jedes Bild.

Kein Einzelfall: Eine McGill-Metaanalyse aus 57 Studien zeigt, dass Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen ein um 45% höheres Risiko für chronische Schmerzen im Erwachsenenalter haben.

Eine Innsbrucker Studie mit über 2.500 Patienten geht weiter: Bei mehreren belastenden Kindheitserlebnissen vor der Pubertät verdreifacht sich das Risiko. Der Effekt ist dosisabhängig — je mehr Belastung, desto höher das Risiko im Erwachsenenalter.

Der zeitliche Abstand ist das eigentlich Bemerkenswerte: Die Belastung liegt Jahrzehnte zurück, der Schmerz manifestiert sich erst im Erwachsenenalter — oft ausgelöst durch einen völlig unabhängigen Trigger. Seelische Verletzung wird nicht zu Schmerz verarbeitet und abgeschlossen, sie bleibt im Nervensystem als erhöhte Vulnerabilität gespeichert und kann Jahre später körperlich Gestalt annehmen.

In meiner Praxis frage ich deshalb bei unklarer Schmerzchronifizierung gezielt nach belastenden Lebensphasen. Zeigt sich diese Achse, reicht Medikation oder Infiltration nicht aus — dann gehören Psychotherapie oder gezielte traumafokussierte Kurzinterventionen genauso dazu.

Wir integrieren diesen Ansatz inzwischen zunehmend fest in die Behandlung — der Bedarf dafür hat sich in den letzten Jahren als deutlich höher gezeigt, als die klassische Schmerzmedizin lange angenommen hat.

Quellen:
Bussières et al., *European Journal of Psychotraumatology* (2023) — n=826.452, 45% erhöhtes Schmerzrisiko.
Riedl et al., *Diagnostics* (2025), Univ.-Klinik Innsbruck — n=2.577, 3-fach erhöhtes Risiko bei Belastung mit 10–12 Jahren.

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