04/08/2026
Donnerwetter! Sicher bei Gewitter
Erst ein greller Zick-Zack-Streifen am Himmel, dann ein ohrenbetäubendes Grollen. Gewitter sind beeindruckende Naturphänomene, können aber auch gefährlich sein. So verhalten Sie sich richtig bei Blitz und Donner – und befreien sich von übermäßiger Angst.
Ein Gewitter entsteht, wenn feucht-warme Luft rasant in kältere Höhen aufsteigt. Besonders häufig passiert dies an schwülen Sommertagen. Anzeichen, dass sich »etwas zusammenbraut«, sind Cumulonimbus-Wolken, die sich in dichten, blau-grauen Massen übereinanderstapeln wie gewaltige Berge. In diesen Wolken baut sich eine starke elektrische Spannung auf, die sich in Form von Blitzen entlädt. Ein Blitz erhitzt die Luft und erzeugt eine hochenergetische Schockwelle, die wir als lauten Knall wahrnehmen. Wie weit ist das Gewitter jetzt noch von uns entfernt?
30-30-Regel
Um die Gefahr eines Unwetters richtig einzuschätzen, hilft die 30-30-Regel: Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, sollten Sie schnellstmöglich Schutz suchen – und diesen sicheren Ort erst verlassen, wenn nach dem letzten Aufflackern oder Scheppern am Himmel mindestens 30 Minuten vergangen sind. Kritisch wird’s, wenn es nahezu gleichzeitig blitzt und donnert … Draußen im Freien haben Sie dann besser nichts mehr verloren.
Faradayscher Käfig
Eine Gewitter-Weisheit lautet: »Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.« Doch darin steckt nur die halbe Wahrheit. Die Baumart ist dem Blitz egal. Er zielt meist auf den höchsten Punkt einer Landschaft, der zudem den geringsten Widerstand bietet. In massiven Häusern hingegen kann Ihnen in der Regel nichts passieren. Haben Sie bei einem aufkommenden Gewitter kein Dach über dem Kopf, weil Sie unterwegs sind, dann ab ins Auto. Im Wagen entsteht ein sogenannter Faradayscher Käfig – er wirkt wie ein Schutzpanzer. Die geschlossene Metallkarosserie leitet den Blitzstrom in den Boden, während Sie im Innenraum unberührt bleiben.
470.000 Blitzeinschläge im Jahr
Die Wucht eines Blitzes ist enorm. Bis zu 300.000 Ampere und Temperaturen von rund 30.000 Grad stecken in ihm. Blitze erzeugen einen Stromschlag sondergleichen und sind heißer als die Sonne. Kein Wunder, dass sie Brände auslösen, zu Elektrizitätsausfällen und manchmal auch Überschwemmungen führen. Laut Statistik kommt es in Deutschland jedes Jahr zu 470.000 Blitzeinschlägen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch vom Blitz getroffen wird, liegt bei 1:200.000 – also deutlich höher, als im Lotto den Jackpot zu knacken. Hierzulande verunglücken jährlich etwa 100 Menschen direkt durch einen Gewitterblitz; vier davon sterben statistisch daran. Respekt vor einem Gewitter zu haben, ist also durchaus berechtigt. Manchen von uns ist aber mehr als mulmig – eine panische Angst ist da.
VR-Brille gegen Astraphobie
Astraphobie, die extreme Furcht vor Blitz und Donner, ist weit verbreitet. Sie ist eine der häufigsten Naturphobien. Betroffene erleben körperliche Symptome wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen und Atemnot, sobald sich der Himmel ominös verdunkelt – oder schon im Voraus, wenn ein Gewitter angekündigt ist. Eine solche Phobie schränkt das Leben stark ein. Outdoor-Aktivitäten möchten Astraphobiker möglichst vermeiden und prüfen ständig die Wetter-App. Im Akutfall können Atemübungen helfen: Durch die Nase tief einatmen, den Atem kurz anhalten und langsam durch den Mund ausatmen. Vorbeugend sind Entspannungstechniken wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung gute Methoden. Psychologen gehen meist den Weg über die Konfrontationstherapie. Immer öfter kommt dafür Virtual Reality (VR) zum Einsatz. Mithilfe spezieller VR-Brillen werden Gewitterszenarien simuliert – vom leichten Regen bis zu heftigen Blitzen und Donnern. Die Intensität lässt sich schrittweise steigern. Der Vorteil: Alles findet im gesicherten Rahmen statt. Klienten können jederzeit stoppen und nach und nach erkennen, welch beeindruckende Schönheit im Naturphänomen Gewitter steckt.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern - leserservice.sud-verlag.de