11/09/2026
Sehr spannend, wieder altes Wissen zu erkennen!
Da könnten einige Pilze schleudernde, Zugluft produzierende Klimaanlagen mit Strom- und Umweltkosten gespart werden.
Alles ist immer nur eine Umverteilung!
Wer eine Altbauwohnung betritt, merkt als erstes die Luft über dem Kopf.
Diese Decken von dreieinhalb Metern in Gründerzeithäusern waren kein Statussymbol. Sie waren Teil eines Klimasystems, das ohne Strom funktionierte.
Warme Luft steigt. In einem Raum mit dreieinhalb Meter Decke sammelt sich die Wärme oben und die Bewohner bleiben unten, in der kühlsten Schicht, die der Raum zu bieten hat. Bei 2,40 Meter Deckenhöhe, wie in den meisten Neubauten, sitzt die warme Luft direkt über dem Kopf.
Die hohen Fenster der Gründerzeit reichten fast bis zur Decke und liessen sich oben kippen. Die Wärme konnte nach oben abziehen, frische Luft strömte unten nach. Die Kastenfenster, ein doppeltes Fenster mit Luftschicht dazwischen, isolierten im Winter und liessen sich im Sommer einzeln öffnen, um den Luftzug zu steuern.
Die Wände. In einem Gründerzeitbau aus Vollziegel sind die Aussenwände oft 50 bis 60 Zentimeter dick. Diese Masse speichert die Kühle der Nacht und gibt sie tagsüber an den Raum ab. Im Winter funktioniert es umgekehrt: Die Wand speichert die Heizwärme und strahlt sie gleichmässig zurück. Moderne Leichtbauwände können das nicht.
Die Türen hatten Oberlichter. Kleine verglaste Felder über dem Türblatt, die offenblieben und die Luft von Raum zu Raum zirkulieren liessen, ohne dass eine Tür geöffnet werden musste. In vielen Altbauten sind sie noch vorhanden, oft zugestrichen oder zugebaut.
Die Wohnungen lagen an einem zentralen Flur mit Fenstern auf der Hofseite. Fenster vorn zur Strasse, Fenster hinten zum Hof: Querlüftung, die den gesamten Grundriss durchspülte. Ein Luftzug, den kein Ventilator so gleichmässig hinbekommt.
Und der Kachelofen. Seine Keramikverkleidung speicherte die Wärme einer einzigen Feuerung über Stunden und strahlte sie gleichmässig in den Raum. Dasselbe Prinzip wie die dicken Wände, nur für den Winter. Kein schneller Wärmestoss wie bei einem Heizkörper, sondern eine langsame, gleichmässige Abgabe.
Hohe Decken, hohe Fenster, dicke Wände, Kastenfenster, Oberlichter, Querlüftung, Kachelofen. Das war alles ein einziges System, entworfen mit Bleistift und einer langen Erinnerung an die Jahreszeiten.
Die alten Häuser wussten etwas, das wir vergessen haben.