04/11/2026
Autofahren im Dunkeln - eine Herausforderung
Vor allem, wenn sich Gegenverkehr mit hellen Scheinwerfern nähert, fühlen sich viele von uns stark geblendet. Wie viel ist normal?
Regennasse Straßen, entgegenkommende Lichter. Der Fahrbahnrand »verschwimmt« regelrecht vor Augen. Straßenschilder und andere Objekte sind kaum noch zu erkennen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Damit sind Sie nicht allein. Laut Umfragen fühlen sich 30 Prozent aller Autofahrer schnell erheblich geblendet. Das Dämmerungssehen, fachlich skotopisches Sehen, ist eingeschränkt. Jeder Zweite kneift die Augen zusammen oder schaut weg. Wer derart im Blindflug unterwegs ist, gefährdet sich selbst und andere.
Nachtblind? Selten!
Die gute Nachricht vorweg: Eine echte Nachtblindheit kommt extrem selten vor. Nur 0,04 Prozent der Deutschen sind von einer sogenannten Retinis pigmentosa betroffen – und zwar genetisch bedingt. In der Regel sind andere Gründe verantwortlich, warum so viele von uns nachts im Dunkeln tappen.
Dämmert’s? Nachtfahrbrille auf
Die häufigste Ursache sind winzige Sehfehler, die nur dann auffallen, wenn sich die Pupillen in der Dunkelheit weiten. Bei einer Hornhautverkrümmung etwa können Doppelbilder entstehen, weil das Licht im Auge ungleichmäßig gebrochen wird. Lichteffekte – vor allem bei Nacht – wirken dann verzerrt oder in die Länge gezogen. Mit einem Astigmatismus, wie man medizinisch zur Verkrümmung sagt, ist die Blendempfindlichkeit meist ohnehin erhöht. Übrigens auch dann, wenn Sie eine Sehhilfe für die Ferne brauchen. Kurzsichtigkeit kann sich in der Dämmerung verstärken, weil die Lichtstrahlen, die am Pupillenrand ins Auge treten, intensiver gestreut werden als nötig. Die Lampen des Gegenverkehrs erscheinen dann wie gleißend-helle Blitze und rauben uns vorübergehend das letzte Fünkchen klare Sicht. In beiden Fällen – ob kurzsichtig oder nicht – kann eine Nachtfahrbrille das Autofahren in den Abendstunden deutlich erleichtern. Spezielle, meist gelbliche Gläser sollen die Blendung reduzieren.
Problem im Alter: die Pupille
Weniger gut zu behandeln ist, wenn sich die Pupillen nicht mehr richtig weiten können – wohlgemerkt eine Alterserscheinung, möglicherweise aber auch eine Nebenwirkung von speziellen Medikamenten. Bei sehr engen Pupillen fällt zu wenig Licht ins Auge. Ans Steuer setzen sollten Sie sich daher bei Finsternis nicht mehr. Auch nicht, wenn die Augenlinse mit den Jahren trüb geworden ist. »Grauer Star« (Katarakt) nennt sich diese Augenerkrankung, die damit einhergeht, dass jede Lichtquelle wie hinter Nebel erscheint. Hier kann nur eine Operation helfen. Die getrübte Augenlinse durch eine klare Kunstlinse zu ersetzen, zählt allerdings zu den häufigsten und sichersten augenärztlichen Eingriffen.
Ab zum Augenarzt
Besser als Nachsorge ist natürlich die Vorbeugung. Allein mit gesunder Ernährung lässt sich einiges für die Augen tun. Betacarotin, eine Vorstufe des Vitamin A, stärkt das Nachtsichtvermögen und unterstützt die Fähigkeit der Augen, sich an die Dunkelheit anzupassen. Viel von diesem Vitalstoff ist in orangefarbenem Obst und Gemüse enthalten, etwa in Karotten, Aprikosen, Kürbis und Roter Bete. Ein Mangel an Vitamin A ist in unseren Breitengraden zwar selten, kann sich aber im schlechten Sehen bei Dunkelheit äußern. Bei Verdacht fragen Sie immer zuerst den Arzt. Stimmt er zu, können Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke eine Option sein. Selbstverständlich sollten auch jährliche Untersuchungen beim Augenarzt sein – spätestens ab 60, besser schon ab 40.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern -leserservice.sud-verlag.de