09/09/2026
Schuldig fühlen:
Man musste DIE Entscheidung schlechthin treffen, sein Tier endgültig gehen zu lassen. Genau heute, vor 18 Jahren, stand ich auch an diesem Punkt. Wer bin ich denn, dass ich über das Leben oder den Tod eines anderen Lebewesens entscheide? Wer bin ich denn, dass ich sagen kann, das heute ist dein letzter Tag, weil ich es so entschieden habe, oder entscheiden muss?
Ja, das gehört zur Verantwortung als Besitzer mit dazu, das muss auch mal klar gesagt werden, genauso, wie das Tier bis zum letzten Atemzug zu begleiten.
Aber - und das war für mich der entscheidende Satz - es hat auch etwas mit Würde zu tun, diese Entscheidung rechtzeitig zu treffen.
Warum Würde?
Nun, ganz nüchtern betrachtet, wäre mein Pferd innerhalb der nächsten 24 bis maximal 36 Stunden von selber gegangen. Das hätte man noch abwarten können, keine Frage. ABER, Frey lief seit 6 Wochen nur noch auf 3 Beinen. Ein Fluchttier, das nicht mehr flüchten hätte können, wenn er noch in freier Wildbahn gelebt hätte. Ja, viel Konjunktiv, ich weiß ...
Vermutlich wäre er am nächsten Tag nicht mehr in der Lage gewesen, selbständig aufzustehen. Ein Pferd, dass nicht mehr aufkommt. Ein Pferd, das hilflos daliegt und darauf warten muss, was als nächstes passiert. Ein Pferd, das dich mit angsterfüllten Augen ansieht, denn der Instinkt in ihm brüllt, dass es hochkommen muss. Und das wollte ich ihm ersparen und habe ihm erspart.
DAS ist für mich Würde.