14/08/2026
Wie vielen von euch geht es genauso?
„Ich habe einfach keine Disziplin. Abends lande ich doch wieder bei den Chips oder bei der Schokolade.“
Und ganz ehrlich: Mir passiert das auch immer wieder. Gerade in stressigen Phasen merke ich, wie schnell ich in genau dieses Verhalten zurückfalle.
Und das Spannende daran ist: Häufig hat das viel weniger mit mangelnder Willenskraft zu tun, als wir glauben.
Denn Stress und Heißhunger hängen eng zusammen.
Wenn wir dauerhaft unter Stress stehen, schüttet unser Körper unter anderem vermehrt das Stresshormon Cortisol aus.
Cortisol beeinflusst verschiedene Prozesse im Körper und kann dazu beitragen, dass unser Appetit steigt und wir besonders große Lust auf schnell verfügbare, energiereiche Lebensmittel bekommen.
Evolutionär betrachtet ergibt das auch Sinn. Stress bedeutete für unsere Vorfahren häufig eine ganz konkrete körperliche Bedrohung: kämpfen oder fliehen. Dafür brauchte der Körper Energie und zwar möglichst schnell.
Und unser Hormonsystem lebt halt immer noch in der Streinzeit.
Das Problem: Unser Körper unterscheidet nicht unbedingt zwischen dem Säbelzahntiger von damals und dem stressigen, bewegunsarmen Alltag von heute.
Warum es ausgerechnet abends schwierig wird
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Unsere Fähigkeit zur Impulskontrolle und zu rationalen Entscheidungen ist nicht zu jeder Tageszeit gleich stark.
Nach einem langen Tag voller Entscheidungen, Anforderungen, Termine und mentaler Belastung fällt es vielen Menschen schwerer, Versuchungen zu widerstehen. Stress kann diesen Effekt zusätzlich verstärken.
Das erklärt auch, warum das persönliche Ernährungs-„Waterloo“ bei vielen nicht morgens beim Frühstück stattfindet, sondern abends auf dem Sofa.
Dann kommt der Gedanke:
„Jetzt ist es auch egal.“
Die Chipstüte geht auf. Die Schokolade liegt plötzlich neben uns. Und anschließend ärgern wir uns darüber, dass wir vermeintlich wieder einmal „zu wenig Disziplin“ hatten.
Dabei lohnt es sich, an einer ganz anderen Stelle hinzuschauen.
Nicht nur die Disziplin betrachten, sondern das System dahinter
Statt uns ausschließlich zu fragen:
„Warum kann ich mich nicht zusammenreißen?“
können wir uns fragen:
„Wie hoch ist mein Stresslevel und wie stabil ist mein Körper über den Tag versorgt?“
Genau hier kommen für mich zwei zentrale Bausteine ins Spiel: Stressregulation und ein möglichst stabiler Blutzuckerverlauf.
Gerade in den Wechseljahren und bei Stoffwechselproblemen können diese Faktoren besonders relevant sein. Denn wenn hormonelle Veränderungen, Stress, Schlafmangel und starke Blutzuckerschwankungen zusammentreffen, kann es deutlich schwieriger werden, Hunger, Energie und Essverhalten zu regulieren.
Was kann ich tagsüber verändern, damit mein Körper abends nicht permanent nach schneller Energie verlangt?
Denn manchmal beginnt der entspanntere Umgang mit Schokolade nicht bei der Schokolade.
Sondern schon viele Stunden vorher.
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