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ernährungunddiät Alles rund um die Ernährung:

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individuelle Ernährungstherapie nach § 43 SGB V
individuelle Ernährungsberatung nach § 20 SGB V

10/08/2026

Wir sprechen in diesem Falle von Ernährungstherapeutischer Langzeitbegleitung…

Diäten
Warum Abnehmen oft nicht glücklich macht

Mithilfe von Spritzen und Tabletten verlieren Menschen im Durchschnitt zehn bis 15 Prozent ihres Gewichts. Aber zufriedener sind sie trotzdem nicht. Weshalb das so ist.

Von Christina Berndt in sz von morgen

Abnehmen ist der Weg zum Glück? So einfach ist es nicht.
Hurra! Es war wirklich ein beachtlicher Erfolg: Durchschnittlich zehn bis 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren die Menschen binnen eines Jahres, die sich auf die neuen Abnehmspritzen und andere Schlankheitsmittel einließen, um morgens endlich gnädigere Zahlen von ihren Waagen abzulesen. Zwar nahm nicht jeder Einzelne von den fast 100 000 Personen aus 262 Studien, deren Daten nun neu ausgewertet wurden, derart viel ab; manche wogen nach einem Jahr genauso viel wie vorher. Aber im Durchschnitt erwiesen sich die Abnehmmedikamente, die es mittlerweile sogar als Tabletten gibt, als hochpotent. Bei den meisten Menschen, selbst solchen, die seit Jahren vergeblich gegen ihr Übergewicht kämpften, purzelten damit die Pfunde.

Nur: Das Hurra fiel gar nicht so überschwänglich aus. Trotz ihres verlorenen Körperfetts berichteten die 45 000 der 100 000 Teilnehmenden, die explizit nach ihrem Wohlbefinden gefragt wurden, kaum davon, dass sie ein Jahr nach Beginn der Behandlung merklich zufriedener wären. „Positive Auswirkungen auf die Lebensqualität waren sehr klein oder nicht existent“, stellen die Autoren um Sheyu Li von der Sichuan-Universität im chinesischen Chengdu fest, die ihre Übersichtsarbeit kürzlich im British Medical Journal publizierten.

Ganz offenkundig macht das Schlankerwerden also nicht so glücklich, wie viele Menschen annehmen, die gerne Pfunde loswürden. „Dies stellt das vor allem in sozialen Medien dominante Narrativ infrage, wonach Abnehmen der Weg zum Glück ist“, sagt der Ernährungsmediziner Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum an der TU München. „Gewichtsabnahme, mit welcher Methode auch immer, hat nur einen sehr moderaten Einfluss auf die Lebensqualität.“

Das belegen nicht nur zahlreiche internationale Studien, sondern auch Erfahrungen von Menschen, die sich mit Übergewicht und Abnehmen bestens auskennen. So sagte die als „Fat Mom“ bekannte Influencerin Alina Friederichs, die von ihren 145 Kilogramm 30 Kilogramm verlor, jüngst dem Spiegel: „Ich bin kein unglücklicher Mensch, aber ich bin nicht glücklicher durch das Abnehmen.“ Warum ist das so?

Das liege zuallererst daran, dass übergewichtige Menschen gar nicht so unglücklich sind, wie dies oft angenommen werde, sagt Felix Bittmann vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg. Der Soziologe hat bereits vor Jahren in einer Studie im International Journal of Applied Positive Psychology festgestellt: Übergewicht führt nicht zwangsläufig zum Unglücklichsein. Insofern überrascht es nicht, dass das Abnehmen kein Schlüssel zum Glück ist.

„Dickwerden ist ja in der Regel ein schleichender Prozess“, erläutert Bittmann. Es ist nicht so, dass Menschen von einem auf den anderen Monat plötzlich mit vielen Extrapfunden herumlaufen müssen. „Das Problem ist in den meisten Fällen vielmehr, dass die Leute über einen langen Zeitraum ein bisschen zu viel zu sich nehmen.“ Wer zum Beispiel jeden Tag nur einen halben Schokoriegel zu viel isst, kann in einem Jahr etwa drei Kilogramm Gewicht zulegen. Über die Jahre bedeutet das eine stattliche Gewichtszunahme, an die man sich aber auch jahrelang gewöhnen kann. Deshalb stört sie oft nicht so.

Noch dazu projizieren viele Menschen ihr Elend viel zu stark auf ihr Gewicht. Keine Frage: Dicksein geht mit vielen Problemen einher. Übergewichtigen Menschen fällt vieles schwerer als dünnen, hinzu kommen Diskriminierung, Abwertung und Schmerzen. „Und trotzdem sind, auch wenn die Pfunde schmelzen, oft immer noch jede Menge Probleme da“, sagt Bittmann. „Ich spritze, und dann sind alle meine Sorgen verschwunden – das ist ein Versprechen, das so nicht zu halten ist.“ Denn wenn man schlank geworden ist, muss man sich Gründen für sein Unglück stellen, die man bisher auf sein Gewicht schieben konnte. So sagte auch Alina Friedrichs zur Stagnation ihres Glücks: „Probleme sind nicht plötzlich weg, nur weil ich 30 Kilo weniger wiege.“

Hinzu kommt, gerade beim Abnehmen mit den Abnehmspritzen: Das ist nicht so einfach, wie es die Hersteller gerne versprechen. Auch wenn die meisten Menschen mit Mitteln wie Semaglutid und Tirzepatid deutlich an Gewicht verlieren, fühlen sie sich dabei nicht unbedingt gut: „Die Nebenwirkungen werden immer heruntergespielt“, sagt Hans Hauner, „aber sie sind nicht zu unterschätzen.“ Häufig leiden die Patienten unter Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall, auch schmeckt ihnen das Essen nicht mehr. Das alles hat natürlich einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität. Nicht ohne Grund bricht fast die Hälfte der Menschen, die Abnehmmedikamente nutzen, binnen eines Jahres die Behandlung ab. Das liege keineswegs nur am hohen Preis, betont Hauner.

Und auch wenn die Menschen mithilfe von Abnehmmedikamenten ihr Gewicht um zehn oder 15 Prozent reduzieren – oftmals mehr als je zuvor in ihrem Leben: „Viele finden, dass das nicht genug ist“, so Hauner. Denn sie träumen von viel größeren Reduktionen – vor allem, wenn sie sehr starkes Übergewicht haben. „Die meisten haben unrealistisch hohe Erwartungen, sie werden nahezu zwangsläufig unzufrieden sein.“

Nicht zu unterschätzen ist aber auch noch ein weiterer Effekt: Essen ist eine ziemlich erfolgreiche Strategie, um sich kleine Glücksmomente im Alltag zu verschaffen. Das Gehirn schüttet gerade bei fett- und zuckerreicher Nahrung stattliche Mengen von dem Glückshormon Dopamin aus. „Das ist ein extrem starkes biologisches Signal“, sagt Felix Bittmann.

Zwar haben Menschen, die Abnehmmedikamente nutzen oder eine bariatrische Operation hinter sich haben, bei der der Magen verkleinert und der Dünndarm umgeleitet wird, nicht mehr ständig Lust auf Essen; bei ihnen stellt sich nicht so leicht wieder Hunger ein, dem man bei einer einfachen Diät ständig widerstehen muss. Aber egal, welche Methode man nutzt, immer fallen Glück und Belohnung durch Essen weg. Und gerade jene Menschen, die zu viele Pfunde auf die Waage bringen, nutzen Essen besonders häufig, um sich etwas Gutes zu tun. „Viele sagen: Ich bin ein Genussmensch, ich möchte emotionale Befriedigung beim Essen haben, das fehlt mir jetzt“, berichtet Hans Hauner.

Auch bei der Stressbewältigung nimmt Essen einen großen Stellenwert für viele Menschen. In einer Umfrage von Christina Holzapfel aus Hauners Arbeitsgruppe mit mehr als 1200 Teilnehmenden gab fast jeder Zweite an, Stress-Esser zu sein. „Die meisten aßen unter Stress mehr“, sagt Hauner. Vor allem aßen sie mehr von den ungesunden und kalorienreichen Dingen, die gerne als „Comfort Food“ euphemisiert werden. Unangefochten auf Platz 1: Schokolade. Fast jeder zweite Stress-Esser nutzte sie zur Stressbewältigung.

„Comfort Food gibt einen Moment Zufriedenheit“, sagt Felix Bittmann. Dabei sei vor allem industriell hoch verarbeitetes Essen, wie Fertigprodukte oder manche Backwaren, „dermaßen overengineered, dass es wie eine Droge ist“. Und die Lust darauf wie eine Sucht. Mithilfe der Abnehmspritzen schaffen es zwar viele Menschen, dem Verlangen nach Comfort Food zu widerstehen. Nur bleibt der Stress und man muss sich dann andere Möglichkeiten suchen, mit ihm umzugehen. Auch das steht dem Glück der Schlankgewordenen im Weg.

Was Hans Hauner deshalb empfiehlt, bevor man über Abnehmspritzen nachdenkt: eine Ernährungsberatung, bei der auch Tipps und Tricks vermittelt werden, mit denen man dem Verlangen mit kognitiven Strategien widerstehen kann. Denn dabei lernt man auch, sich zur Stressverarbeitung andere Wege als Essen zu suchen. Und der Stolz, dass man das schafft, löst so manchen Glücksschub aus, den man bisher vornehmlich durch Essen bekommen hat.

24/07/2026

Bisher konnte der Wirkstoff über Abnehmspritzen verabreicht werden, nun soll er erstmals in Tablettenform in die Apotheken kommen

10/07/2026

Zuerst Lebensstiländerung, wenn diese nachweislich nicht umgesetzt wird, gibt es auch keine Medikamente. Und dies bitte bei allen stoffwechselabhängigen Erkrankungen.
Auch so liesse sich unser Gesundheitssystem umbauen, verbessern, weil die Heilung wieder in den Vordergrund gerückt wird, der Betroffene aktiv werden kann und auch Kosten langfristig eingespart werden….könnten.

Gesundheitspolitik
Schwere Belastung

Längst ist wissenschaftlich belegt, dass Adipositas eine Krankheit ist. Warum die Kassen trotzdem oft nicht zahlen, erklärt der Mediziner Hans Hauner.

Interview von Christina Berndt

Torsten Krüger/IMAGO/Zoonar
Starkes Übergewicht ist kein Lifestyle-Thema. Die Betroffenen leiden und brauchen medizinische Hilfe. Auch die Abnehmspritze, die es bald in Tablettenform geben wird, kann manchen Menschen helfen.
Nur selten werden Wissenschaftler so politisch wie gerade das Team vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München (EKFZ). An diesem Donnerstag luden die Wissenschaftler im Presseclub München zu einer Veranstaltung über Adipositas. Unter dem Titel „Warum die Politik jetzt liefern muss“ forderten sie, das Thema Übergewicht aus der Lifestyle-Ecke zu holen und die Betroffenen nach dem neuesten Stand des Wissens zu behandeln, auch mit den teuren Abnehmspritzen. Im Interview erzählt EKFZ-Seniorprofessor Hans Hauner, was genau die Politik liefern soll und welche Behandlungen Erfolg versprechen.

SZ: Herr Hauner, Ihr Appell an die Politik ist sehr deutlich formuliert. Sie haben es ganz schön dick, richtig? Oder ist das zu salopp formuliert bei dem ernsten Thema Adipositas?

Hans Hauner: In der Sache stimmt es in jedem Fall. Ich ärgere mich sehr darüber, dass in diesem Bereich so wenig zum Nutzen der Betroffenen passiert. Wir haben wirksame Therapien, jetzt auch potente Medikamente, und trotzdem wird politisch quasi nichts unternommen, um der zunehmenden Adipositas Herr zu werden und den Patientinnen und Patienten zu helfen. Diese sind körperlich und psychisch teilweise schwer belastet – trotzdem gibt es in unserem Gesundheitssystem fast kein Angebot für sie. Und obwohl gerade viele Reformen im Gespräch sind, fällt das Thema Adipositas wieder hinten runter.

Warum fasst Sie das Thema so an?

Weil ich sehe, wie sehr die Betroffenen unter der Adipositas leiden. Das ist eine Krankheit, die zu vielen Begleit- und Folgeerkrankungen führt, die Lebensqualität beeinträchtigt und mitunter viele Lebensjahre kostet. Adipositas ist viel mehr als nur ein paar Pfunde zu viel. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die fast alle Körperorgane und -funktionen betreffen kann. Und das Problem nimmt zu: Inzwischen gilt in Deutschland mehr als jeder zweite Erwachsene als übergewichtig, mindestens 18 Prozent sind adipös, haben also einen BMI, einen Body-Mass-Index, von über 30. Das entspricht zum Beispiel bei einer Körpergröße von 170 Zentimetern einem Gewicht über 87 Kilogramm. Adipositas hat für die Menschen selbst und auch für die Gesellschaft schwerwiegende Folgen, die sich in Deutschland auf mehr als 60 Milliarden Euro belaufen. Umso tragischer ist es, dass so wenig getan wird.

Wie schwer es ist, Gewicht zu verlieren, weiß fast jeder. Gibt es überhaupt nachhaltig erfolgreiche Maßnahmen gegen Adipositas?

Die Behandlung ist sicher nicht in jedem Einzelfall erfolgreich. Bei etwa einem Drittel scheitert sie oder ist unbefriedigend. Aber das kann keine Entschuldigung dafür sein, dass man es ganz lässt. Wir verfügen über verschiedene Strategien, die nachgewiesenermaßen wirksam sind. Seit zwei Jahren schon gibt es ein fertiges Disease-Management-Programm für Adipositas, mit dem eine evidenzbasierte, strukturierte Behandlung festgelegt wurde. Dieses Programm ist von den regionalen Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigungen bis heute nicht umgesetzt worden. Menschen mit Adipositas sollten genauso wie andere Patienten auch Anspruch auf eine leitliniengerechte Behandlung haben.

Empfehlen Sie auch die neuen Abnehmspritzen? Als diese vor drei Jahren auf den Markt kamen, standen Sie ihnen eher kritisch gegenüber …

Ich würde die Medikamente, die es bald nicht mehr nur als Spritzen, sondern auch als Tabletten geben wird, nicht uneingeschränkt jedem Patienten mit einem BMI über 30 geben, sondern nur Betroffenen mit hohen Risiken, die mit anderen Maßnahmen wie einer Ernährungsumstellung nicht erfolgreich waren. Die Medikamente haben schließlich auch Nebenwirkungen, allen voran Übelkeit, Durchfall und Verstopfung. Sie machen schneller satt, aber wenn man sie absetzt, steigt das Gewicht wieder an.

Foto: Kathrin Czoppelt/TUM Klinikum
Hans Hauner ist Seniorprofessor für Ernährungsmedizin am Else-Kröner-Fresenius-Zentrum an der TU München. Er ist zudem Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, und des wissenschaftlichen Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Was sind die Methoden, die Sie zuerst empfehlen?

Als Basistherapie empfehlen wir grundsätzlich eine Ernährungsumstellung und Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Es geht darum, individuell passende Konzepte zu vereinbaren. Menschen mit Adipositas sollen motiviert werden, bewusster zu essen und Mahlzeiten und Bewegung gut zu planen. Wenn das Konzept auf die Person zugeschnitten ist und vom Umfeld unterstützt wird, ist eine günstige, nebenwirkungsfreie und langfristige Behandlung möglich. Die Hersteller der Abnehmmedikamente blenden das aber vollkommen aus. Lebensstiländerung kommt in deren Studien überhaupt nicht vor, wie eine kürzliche Analyse gezeigt hat. Das ist grotesk, denn eigentlich müssten sie ihre Medikamente im Vergleich zu einer konsequenten Basistherapie testen. Aber wenn sie das nicht machen, sehen die Medikamente natürlich viel besser aus.

Die Abnehmspritzen wirken aber schon gut, oder?

Ja, Fakt ist, dass die Medikamente bei bis zu 90 Prozent der Patienten gut wirksam sind. Das heißt aber auch: Zehn Prozent reagieren nicht. Und es gibt auch Overresponder, die mit den Spritzen wochenlang gar nichts mehr essen. Das ist gefährlich, man kann die Menschen ja nicht in eine Mangelernährung treiben. Deshalb muss man die Therapie ärztlich gut begleiten. Wir empfehlen, sie vor allem dann einzusetzen, wenn eine Lebensstiländerung erfolglos verlaufen ist und die Patienten wegen schwerer Begleiterkrankungen abnehmen sollen. Dann sollten sie nach meiner Ansicht und nach Ansicht etwa der Deutschen Adipositas-Gesellschaft auch einen Anspruch auf Verordnung dieser Medikamente haben – und der Zugang dazu darf nicht vom eigenen Konto abhängen.

Den Krankenkassen scheinen bei diesem Thema aber die Hände gebunden zu sein. Im Sozialgesetzbuch fallen gewichtssenkende Medikamente unter die Rubrik Lifestyle, Medikamente dürfen von den Kassen deshalb nicht erstattet werden.

Das ist richtig, und das sollte dringend geändert werden. Adipositas ist längst als Krankheit anerkannt, sie ist nicht einfach die Folge von Willensschwäche oder eines anderen selbstverschuldeten Verhaltens. Deshalb müssen auch nachweislich wirksame Medikamente erstattet werden. Derzeit finanzieren die Krankenkassen aufgrund der Rechtslage nicht einmal die Ernährungsberatung, und jede Kasse macht es anders. Es hängt letztlich vom Sachbearbeiter ab, ob und welcher Zuschuss bezahlt wird. Neuerdings sträuben sich die Krankenkassen auch gegen digitale Gesundheitsanwendungen, das sind Apps für die Behandlung spezieller Krankheiten, darunter auch Adipositas, die man auf Rezept bekommen kann und für die eine Wirksamkeit nachgewiesen sein muss.

Die Medikamente sind allerdings teuer, die Therapiekosten liegen aktuell zwischen knapp 300 und 500 Euro im Monat. Würden die ohnehin schon belasteten Krankenkassen da nicht pleitegehen?

Nur, wenn alle Menschen mit Adipositas sie zu den heutigen Preisen erhalten würden. Hier darf aber nicht am falschen Ende gespart werden. Menschen mit unbehandelter Adipositas verursachen durch ihre Folgeerkrankungen hohe Kosten. Die ökonomischen Folgen sind gewaltig. Im Falle einer Erstattungsfähigkeit käme es zudem zunächst zu Preisverhandlungen mit den Herstellern. Beispiele aus anderen Ländern wie Großbritannien und Frankreich haben gezeigt, dass sich deutlich günstigere Preise vereinbaren lassen.

Weshalb passiert trotzdem nichts? Denken Politiker immer noch, die Patienten müssten sich eben einfach zusammenreißen?

Ich fürchte, dass das immer noch in den Köpfen ist. Dabei ist Adipositas eine neurobiologische Erkrankung, die teilweise mit einer Suchterkrankung zu vergleichen ist. Sie entsteht als teuflische Mixtur aus falscher Stressverarbeitung durch Essen, ständiger Verfügbarkeit hochkalorischer Nahrungsmittel und unserem evolutionärem Erbe. Wir verstehen die Mechanismen immer besser, deshalb könnten wir der Adipositas mit medizinischem Wissen und politischem Willen inzwischen so viel entgegensetzen. Warum man sich diese Chance entgehen lässt, ist mir schleierhaft.

08/07/2026

Wissen Szene
Donnerstag, 9. Juli 2026

Globale Entwicklung
WHO warnt: Krebsfälle könnten bis 2050 um zwei Drittel steigen

Zuletzt erkrankten jährlich 21 Millionen Menschen weltweit an Krebs, Tendenz steigend. Das liegt auch daran, dass zu wenig zur Vorbeugung getan wird. Dabei wären 40 Prozent der Fälle vermeidbar.

Von Berit Uhlmann

IMAGO/Pond5 Images
Nicht allen Menschen stehen bei einer Krebserkrankung gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie sich am Beispiel Brustkrebs zeigt: 87 Prozent der Frauen aus den Industriestaaten überleben ihn, in den Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen sind es nur 42 Prozent.
Krebs kennt zwei Sorten Pech. Einmal das Unglück, von einer Krebserkrankung getroffen zu werden, die sich nach bisherigem Wissen nicht verhindern lässt. Das sind etwa 60 Prozent der Fälle. Und einmal das Pech, am falschen Ort zu leben. In einem Land oder einer Region, die nicht genug unternimmt, um wenigstens die 40 Prozent prinzipiell vermeidbaren Fälle zu minimieren oder durch ausreichende Behandlungen das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Die zweite Sorte Pech ist vor allem, aber beileibe nicht nur in ärmeren Ländern verbreitet, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht von Weltgesundheitsorganisation WHO und der Weltkrebsagentur IARC hervorgeht.

Insgesamt erkranken dem Bericht zufolge jährlich fast 21 Millionen Menschen an Krebs, nahezu zehn Millionen sterben daran. Wenn nicht schnell mehr getan werde, könnte die Zahl der Krebsfälle bis 2050 auf 35 Millionen jährlich steigen, warnen die Autoren. Die erwartete Zunahme liegt zum Teil an demografischen Entwicklungen, aber eben auch, wie es im Report heißt, an einer großen Lücke im Kampf gegen die Erkrankung: „einer Lücke zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun. Zwischen dem, was versprochen, und dem, was eingehalten wird.“

Um dies zu untermauern, haben die Autoren 16 Indikatoren ausgewertet, die zeigen, wie gut die Welt in Sachen Vorbeugung und Behandlung von Krebs vorankommt. Die Bestnote, die sie dabei vergaben, heißt „moderater Fortschritt“ und wurde nur einem der Kriterien verliehen: dem Schutz vor dem Tabakrauch. In den zurückliegenden 15 Jahren seien die Raucherquoten global betrachtet um 27 Prozent zurückgegangen. Das ist ein gewisser Erfolg. Denn, so sagt es André Ilbawi, bei der WHO für Krebskontrolle zuständig, auf einer Pressekonferenz, „Tabakkonsum bleibt mit großem Abstand der größte Faktor der Krebsentstehung“. Fast 20 Prozent aller Erkrankungen und Todesfälle gingen auf sein Konto.

Dennoch wäre auch in diesem Bereich sehr viel mehr möglich. Obwohl sich fast alle Länder in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag zum Nichtraucherschutz verpflichteten, haben nur vier Staaten die dafür nötigen Maßnahmen komplett ergriffen. Es sind Brasilien, die Türkei, die Niederlande und Mauritius. Deutschland dagegen hat gerade mal zwei von sechs jener Interventionen, mit denen die WHO den Nichtraucherschutz bemisst, umfassend umgesetzt. Raucherquoten werden erfasst und vor Zi******en wird ausreichend gewarnt, nicht zuletzt auf den Schachteln selbst. An Werbe- und Rauchverboten, Steuererhöhungen auf Tabak sowie Ausstiegshilfen für Raucher mangelt es laut WHO jedoch weiterhin.

Schweres Übergewicht ist ein Risikofaktor für mindestens 13 Krebsarten

Am unteren Ende der Erfolgsskala stehen zwei Indikatoren, die nicht nur jeglichen Fortschritt missen lassen, sondern sich zunehmend verschlechtern: Übergewicht und Bewegungsarmut. Adipositas ist ein Risikofaktor für mindestens 13 Krebsarten, mangelnde Bewegung steht mit sieben oder mehr Krebsarten in Zusammenhang. Doch kein einziges Land habe den Anstieg des schweren Übergewichts gestoppt, heißt es in dem Bericht. Nicht einmal für die Hälfte aller Staaten ist die Förderung von Bewegung ein politisches Thema. Somit seien weltweit 30 Prozent der Erwachsenen nicht ausreichend aktiv – gemessen am WHO-Standard von mindestens 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche. Unter Jugendlichen schaffen 80 Prozent diese Empfehlung nicht, die Autoren sprechen von einem „Krisenlevel“.

Die Folgen werde man erst in etwa 20 bis 30 Jahren sehen, sagt André Ilbawi. Dann dürften sie eine „erhebliche zusätzliche Belastung“ für die Versorgung der Krebspatienten bedeuten.

Allen weiteren Indikatoren bescheinigen die Autoren einen partiellen, minimalen oder unzureichenden Fortschritt. Dazu gehören etwa die Etablierung von Vorsorgeuntersuchungen und die Vorbeugung von jenen Infektionskrankheiten, die Krebs begünstigen. Eine wirksame Maßnahme ist etwa die Impfung gegen HPV. Darunter fallen aber auch alle Möglichkeiten der Behandlung, in denen ärmere Länder große Lücken aufweisen. Als Beispiel für die Folgen der fehlenden Kapazitäten nennen die Autoren Brustkrebs. 87 Prozent der Frauen aus den Industriestaaten überleben ihn. In den Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen sind es nur 42 Prozent.

Die Autoren des Reports fordern daher, wo immer nötig, die Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten deutlich auszubauen. Denn schon heute gelte: Jeder fünfte Mensch auf dieser Welt wird irgendwann in seinem Leben an Krebs erkranken. Rechnet man mit ein, wie sehr die Krankheit auch Familienangehörige belastet, dann sei Krebs ein Thema für mehr als 90 Prozent aller Menschen auf diesem Planeten.

02/07/2026

Ein großer Durchbruch beim Verständnis von Long COVID ist entstanden. Forscher haben herausgefunden, dass Virusreste—und möglicherweise aktives Virus—jahrelang nach der Infektion im Körper verbleiben können. Das könnte erklären, warum Millionen von Menschen immer noch unter lähmenden Symptomen leiden.

Die Forschung: Wissenschaftler der UCSF verfolgten 24 COVID-19-Patienten über fast 900 Tage mit fortgeschrittener PET-Scan-Bildgebung. Sie suchten nach aktivierten T-Zellen—den Immunzellen, die Infektionen bekämpfen—im ganzen Körper.
Das war bemerkenswert: Bei Long-COVID-Patienten waren T-Zellen an unerwarteten Orten konzentriert. Nicht nur in der Lunge, wo man sie erwarten würde, sondern im Darm, in der Herzwand, im Rückenmark und in der Magenschleimhaut. Bei gesunden Kontrollgruppen vor der Pandemie zeigte sich dort keine solche Aktivierung.

Noch besorgniserregender: Als Forscher Darmgewebeproben untersuchten, entdeckten sie COVID-19-RNA im Gewebe aller getesteten Long-COVID-Patienten. Dieses Virusmaterial wurde 158 bis 676 Tage nach der ursprünglichen Infektion gefunden—in einigen Fällen mehr als ein Jahr später.

Was das bedeutet: Das Virus wird möglicherweise nicht vollständig aus dem Körper entfernt. Manche Menschen können das Virus mit ihrem Immunsystem nicht vollständig beseitigen und hinterlassen virale Reservoirs in Geweben. Diese versteckten Reservoirs könnten eine anhaltende Immunaktivierung auslösen und den Körper in einem Zustand anhaltenden Stresses halten.

Das erklärt die Symptome. Erschöpfung. Gehirnnebel. Atemprobleme. Herzrasen. Verdauungsprobleme. All das könnte die Folge davon sein, dass der Körper ständig gegen ein Virus kämpft, das er nicht vollständig beseitigen kann.
Der Weg nach vorne: Diese Entdeckung ist wichtig, weil sie den Fokus weg vom Raten und hin zu gezielten Behandlungen verlagert.

Wenn Long COVID durch persistente virale Reservoirs verursacht wird, können Ärzte jetzt Therapien entwickeln, die speziell darauf abzielen, diese versteckten Viren zu eliminieren.

Expertenmeinung: Professor Danny Altmann vom Imperial College London sagte, dass diese Forschung "einen bedeutenden Schritt beim Vorankommen unseres Verständnisses dieses Krankheitsprozesses darstellt und sich der Richtung Behandlungen nähert, die Hoffnung für die Millionen von Patienten bieten könnten."

Das ist nicht die endgültige Antwort, aber ein entscheidender Schritt. Zum ersten Mal haben Forscher solide Beweise, dass Long COVID durch ein Virus verursacht werden könnte, das der Körper nie vollständig besiegt.

Bilder wurden mit KI erzeugt und dienen ausschließlich Demonstrationszwecken.

Quellen: Peluso, M.J., et al. (2024). Tissue-based T cell activation and viral RNA persist for up to 2 years after SARS-CoV-2 infection. Science Translational Medicine, 16(754), eadk3295. Science Media Centre. (2024). Expert reaction to study looking at T cell activation and viral RNA persistence in long COVID. Technology Networks. (2024). Imaging Study Reveals Viral RNA Persists for Years in Tissues of Long COVID Patients. STAT News. (2024). Long COVID study: Via imaging, virus found years post-infection. Imperial College London. Prof Danny Altmann, Professor of Immunology.

Gelungene Entwicklung! Unterstützt Euch weiter so….
12/06/2026

Gelungene Entwicklung! Unterstützt Euch weiter so….

Nele, Stina und Janina kommen in eine Klinik, weil sie magersüchtig sind. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft.

12/06/2026
05/06/2026

Beschäftigen könnten wir uns mit vielen Dingen.
Seit Mitte der 80er verfolge ich die Bodenwirtschaft in Deutschland und teils auch Frankreich.
Ich glaube, dass die EU auf dem richtigen Weg war, die künftige ressourcenschonendere Landwirtschaft mit weniger schadstoffhaltiger Düngung/ Überdüngung einzuleiten.
Doch was jetzt passiert macht mich wirklich richtig sprachlos, denn alle Anforderungen, um unseren Enkeln ein halbwegs gutes Land zu hinterlassen, werden zunichte gemacht…
Dies ist nur 1 Artikel. Wer sich informieren möchte, kann dies z.B. hier:

Die Empfehlungen sind gut und günstig, bestehen schon lange und sind auch praktikabel.
16/05/2026

Die Empfehlungen sind gut und günstig, bestehen schon lange und sind auch praktikabel.

Viele Frauen ab 40 trainieren diszipliniert und essen gesund – trotzdem nehmen sie zu. Die falsche Regeneration nach dem Training könnte ein Grund dafür sein

25/04/2026

Noch etwas zur ME/CFS/Post-Covid:

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