03/06/2026
✨Es gibt eine Angst,
die in mir wohnt wie ein leiser Schatten.
Eine Angst,
die nur Mütter kennen,
deren Kinder die Welt
nicht einfach wahrnehmen,
sondern durchdringen.
Ich fürchte nicht den Tod.
Ich fürchte den Moment,
in dem Lilly irgendwo steht
und niemand versteht,
was sie eigentlich sagt,
auch wenn kein Wort fällt.
Ich fürchte den Tag,
an dem jemand ihre Stille falsch deutet.
Nicht als Erschöpfung
nach zu viel Welt,
sondern als Desinteresse.
Ich fürchte Situationen,
in denen sie überfordert ist
und niemand erkennt,
dass ihr Blick nicht „abwesend“ ist,
sondern ein Rückzug in Sicherheit.
Und ich denke an ihre große Schwester.
Die Lillys Sprache versteht,
lange bevor andere sie hören.
Die Türen leiser schließt,
wenn Lillys Nervensystem flackert.
Die instinktiv weiß,
wann Nähe gut tut
und wann Abstand Liebe ist.
Ich frage mich oft,
ob ich ihr eines Tages
zu viel hinterlasse.
Zu viel Verantwortung.
Zu viel Sorge.
Zu viel:
„Ich muss stark sein.“
Und gleichzeitig hoffe ich,
dass ich beiden etwas mitgebe,
das größer ist als meine Angst.
Nicht perfekte Vorbereitung.
Nicht ein Leben ohne Stolpersteine.
Nicht die Illusion,
dass alles leicht sein wird.
Sondern mich.
In kleinen Dingen.
In Sätzen.
In Gesten.
In der Art,
wie ich Lillys Hand halte,
wenn die Welt zu laut wird.
Ich hoffe,
dass Lilly eines Tages spürt,
wann ihr Körper „Stopp“ sagt
und geht,
ohne sich zu entschuldigen.
Dass sie weiß,
dass ihre Bedürfnisse
keine Unverschämtheit sind,
sondern ein Kompass.
Ich hoffe,
dass sie Menschen erkennt,
die ihr Herz sehen
und es nicht hart machen.
Dass sie sich nicht mehr fragt,
warum sie anders ist,
sondern versteht,
wie besonders sie ist.
Und ich hoffe,
dass ihre Schwester weiß,
dass sie frei ist.
Dass sie nicht Lillys Schutzschild
werden muss.
Dass sie lieben darf,
ohne zu tragen.
Dass Verbundenheit
nicht bedeutet,
sich selbst zu verlieren.
Vielleicht ist Mutterschaft
für Frauen wie mich
ein stilles Einrichten
im Inneren unserer Kinder.
Ich lege mich
in Lillys Gedanken.
In die Sätze,
die sie später einmal denkt,
wenn niemand da ist:
„Ich darf Pause machen.“
„Ich bin nicht falsch.“
„Ich darf Grenzen haben.“
„Ich muss mich nicht verbiegen,
damit andere sich wohler fühlen.“
Und ich lege mich auch
in das Herz ihrer Schwester:
„Ich darf meinen eigenen Weg gehen.“
„Ich bin nicht verantwortlich
für das Glück der anderen.“
„Ich darf leicht leben,
auch wenn ich liebe.“
Vielleicht ist das Mutterliebe:
sich leise
in zwei Leben zu verewigen,
damit beide wissen,
dass sie gehalten sind,
auf ihre ganz eigene Weise.
Und vielleicht
ist Hoffnung genau das:
Dass meine Kinder eines Tages
mit meiner Stimme im Herzen
weitergehen.
Nicht als Last.
Nicht als Verpflichtung.
Sondern als sanftes Licht,
das ihnen zuflüstert:
„Du bist genug.
Du bist sicher.
Du darfst du selbst sein.“ 💛✨