21/08/2026
Manchmal braucht es Abstand, um wieder zu spüren, was wirklich wichtig ist. 🤍
Hier war es lange still um mich. Und diese Stille war eine sehr bewusste Entscheidung.
Die vergangenen Monate waren für mich eine Zeit von Abschied, Verlust, Rückzug – aber auch von sehr viel innerer Klarheit.
Meine Mutter ist gestorben.
Viele von Euch wissen, dass die Beziehung zu einer narzisstischen Mutter und die Folgen, die eine solche Beziehung hinterlässt, ein wesentlicher Teil meiner Arbeit sind. Und natürlich ist dieses Thema nicht zufällig zu einem Schwerpunkt meiner Arbeit geworden.
Durch den Tod meiner Mutter ist mir noch einmal sehr deutlich geworden, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte aufzuarbeiten – und zwar möglichst nicht erst dann, wenn es keine Möglichkeit mehr für ein äußeres Gegenüber gibt.
Aufarbeitung bedeutet für mich dabei nicht, den anderen zu entschuldigen. Es bedeutet auch nicht, kleinzureden, was geschehen ist, oder so zu tun, als hätte es die Verletzungen nicht gegeben.
Es bedeutet, sich selbst aus den alten emotionalen Verstrickungen zu lösen.
Nicht mehr darauf zu warten, dass der andere sich verändert, versteht, einsieht oder endlich das gibt, was man als Kind gebraucht hätte.
Als meine Mutter starb, habe ich etwas sehr Wesentliches gespürt:
In mir war Frieden.
Nicht, weil unsere Geschichte eine andere geworden war.
Sondern weil ich meine Geschichte mit ihr über viele Jahre aufgearbeitet hatte.
Da waren keine großen offenen Rechnungen mehr, die ich innerlich noch mit ihr begleichen musste. Und auch nicht mehr diese kindliche Hoffnung, irgendwann doch noch etwas von ihr zu bekommen, was sie mir nicht geben konnte.
Das hat mir noch einmal auf einer ganz persönlichen Ebene gezeigt, warum diese Arbeit so wichtig ist.
Nicht für die Eltern.
Für uns selbst.
Und dann kam ein weiterer Abschied, der mich sehr viel heftiger getroffen hat, als ich es in Worte fassen kann.
In der Weihnachtszeit ist meine Hündin gestorben.
Dieser Verlust war für mich extrem schmerzhaft. Wer sehr eng mit einem Hund verbunden ist, weiß, dass man nicht „nur einen Hund“ verliert. Da verschwindet plötzlich ein Wesen aus dem Alltag, das einfach immer da war. Nähe, Vertrautheit, gemeinsame Rituale, dieses wortlose Verstehen – und auf einmal ist der Platz leer.
Ich habe gemerkt, dass ich danach nicht einfach weitermachen wollte.
Nicht sofort wieder funktionieren.
Nicht produzieren.
Nicht präsent sein, nur weil man das heute irgendwie sein „sollte“.
Ich brauchte eine Auszeit.
Und ich habe sie mir genommen.
Auch, um mir Fragen zu stellen, für die im normalen Alltag manchmal erstaunlich wenig Raum bleibt:
Was ist eigentlich wirklich wichtig in meinem Leben?
Wo möchte ich meine Zeit verbringen?
Wem und was möchte ich meine Aufmerksamkeit schenken?
Was tut mir gut?
Was hat vielleicht einmal eine Bedeutung gehabt, die es heute nicht mehr hat?
Und wie möchte ich die nächste Zeit meines Lebens gestalten?
Manchmal verändert Verlust unseren Blick auf das Leben.
Er erinnert uns sehr deutlich daran, dass unsere Zeit nicht unbegrenzt ist. Und dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Leben, das wir irgendwie bewältigen – und einem Leben, das sich wirklich nach unserem eigenen anfühlt.
Und während ich mir für all das Zeit genommen habe, ist irgendwann wieder etwas Neues in mein Leben gekommen.
Etwas ziemlich Kleines.
Ziemlich Weißes.
Mit vier Pfoten. 🐾🤍
Ich habe wieder eine weiße Schäferhündin.
Noch ein Welpe – und entsprechend hält sie mich gerade ordentlich auf Trab. 😉
Sie ersetzt meine verstorbene Hündin nicht. Das soll sie auch gar nicht.
Jede Verbindung ist einzigartig.
Aber sie bringt wieder Leben ins Haus. Neugier. Nähe. Unsinn. Lernen. Verantwortung. Lachen. Und diese wunderbare Fähigkeit eines jungen Hundes, vollkommen im Augenblick zu sein.
Vielleicht ist genau das gerade auch eine schöne Erinnerung für mich:
Das Vergangene darf seinen Platz haben.
Trauer darf ihren Platz haben.
Und trotzdem darf irgendwann wieder etwas Neues entstehen.
Nicht anstelle dessen, was war.
Sondern daneben.
Deshalb war es hier so lange still.
Und deshalb komme ich jetzt auch nicht einfach „zurück wie vorher“.
Ich komme mit einigen neuen Gedanken zurück. Mit Erfahrungen, die mich noch einmal anders auf meine Arbeit, auf Beziehungen, auf Trauma und Aufarbeitung – und auch auf das Leben selbst – schauen lassen.
Darüber möchte ich in nächster Zeit wieder mehr mit Euch teilen.
Und vermutlich wird sich zwischen all den psychologischen Themen ab jetzt auch häufiger eine kleine weiße Fellnase ins Bild schieben. 🤍🐾
Das hier ist sie. Und vielleicht ist dieses Foto ein ganz schönes Bild für das, was ich aus den vergangenen Monaten mitnehme:
Wir dürfen betrauern, was wir verloren haben.
Wir dürfen Frieden mit dem finden, was wir nicht mehr verändern können.
Und wir dürfen uns gleichzeitig wieder dem Leben zuwenden. 🤍