26/08/2026
„Psychiaterinnen und Psychiater tragen eine gesellschaftliche Verantwortung, die oft übersehen wird: Sie müssen die Bevölkerung aufklären. Nicht um Paranoia zu schüren, sondern um Menschen zu befähigen, gefährliche Persönlichkeitsmuster frühzeitig zu erkennen.“ Zentral in dieser Hinsicht ist die subklinische Psychopathie, schreibt unser Kolumnist Pablo Hagemeyer.
Während die „echte“ Psychopathie rund zwei oder drei Prozent der Bevölkerung betrifft, haben etwa vierzehn Prozent den subklinischen Typ. Diese Menschen bleiben in der Familie, im Beruf und in der Politik häufig unerkannt. Dabei zeigen auch sie die klassischen Anzeichen von Psychopathie: Sie manipulieren, haben Gefühlsdefizite, handeln verantwortungslos und amoralisch.
Wenn Personen mit subklinischer Psychopathie politische Macht erhalten, gefährdet das unsere Demokratie, ist Pablo Hagemeyer überzeugt. „Verachtung bestehender Strukturen, konstruierte Feindbilder, inszeniert Opferrollen, um sich selbst zu legitimieren: Das ist keine geeignete Führung, das ist eine Persönlichkeitspathologie. Unsere Aufgabe als Psychiaterinnen und Psychiater ist, Menschen zu befähigen, diese Muster zu sehen, bevor sie wählen, bevor sie folgen, bevor es zu spät ist. Demokratie braucht Menschen, die verstehen, dass andere Menschen Bedeutung haben.“