11/06/2026
Heute versuche ich einmal für Euch verständlich zusammenzufassen warum wir gestern gegen die Gesundheitsreform in der jetzigen Form protestiert haben. In meinen Augen wird hier erneut die Schere zwischen Privat und Kassenversicherten größer. Und hier nun mein Beispiel (Bitte fleissig teilen und liken wenn ihr meint auch andere sollten das lesen, denn Facebook und Insta zeigen lange Texte selten an).:
Das GKV-Spargesetz erklärt mit einer Bäckerei
Stellen wir uns vor, es gibt zwei Arten von Kunden in einer Bäckerei:
Privatkunden und Vertragskunden.
Ein Privatkunde bezahlt jedes Brot, jedes Brötchen und jeden Kuchen einzeln. Kauft er mehr, erhält die Bäckerei mehr Geld. Das ist einfach und nachvollziehbar.
Bei den Vertragskunden läuft es anders. Für diese hat die Bäckerei einen Vertrag mit einer großen Organisation abgeschlossen. Für jeden Kunden erhält sie pro Quartal eine feste Pauschale – unabhängig davon, ob dieser einmal oder fünfmal kommt. Diese Pauschale soll die Grundversorgung mit dem wichtigsten Nahrungsmittel, also dem täglichen Brot, sicherstellen.
Das entspricht bei Kinderärzten der Quartalspauschale für Kassenpatienten.
Die Entbudgetierung
Nun hatte die Politik erkannt, dass die Versorgung von Kindern besonders wichtig ist.
Deshalb wurde beschlossen:
Wenn die Bäckerei mehr Vertragskunden versorgt als bisher, bekommt sie für diese zusätzlichen Kunden ebenfalls die volle Vergütung.
Wenn also im Frühjahr 2025 noch 1.000 Vertragskunden versorgt wurden und im Frühjahr 2026 bereits 1.200, dann erhält die Bäckerei auch Geld für die zusätzlichen 200 Kunden.
Das erscheint selbstverständlich, denn die Bäckerei muss schließlich mehr Brot backen, mehr Mehl einkaufen und mehr Personal einsetzen.
Das GKV-Spargesetz
Nun soll eine neue Regel eingeführt werden.
Die Organisation sagt:
„Wir vergleichen die Zahl Ihrer Vertragskunden mit dem gleichen Quartal des Vorjahres. Alles, was darüber hinausgeht, wird schlechter vergütet."
Die Bäckerei hatte im Frühjahr 2025:
* 1.000 Vertragskunden
Im Frühjahr 2026:
* 1.200 Vertragskunden
Die zusätzlichen 200 Kunden kommen vielleicht deshalb, weil:
* neue Familien in die Stadt gezogen sind,
* andere Bäckereien geschlossen haben,
* die Bevölkerung gewachsen ist,
* besonders viele Menschen auf die Bäckerei angewiesen sind.
Die Bäckerei muss diese Menschen trotzdem versorgen.
Für diese zusätzliche Leistung soll sie aber künftig weniger Geld erhalten.
Noch problematischer: Die Vorsorge
Bisher wurden wichtige Zusatzleistungen – vergleichbar mit kostenlosen Ernährungsberatungen, Backkursen für Eltern oder Präventionsangeboten – vollständig bezahlt.
Mit dem GKV-Spargesetz soll hierfür künftig wieder ein begrenzter Geldtopf eingeführt werden.
Ist dieser Topf ausgeschöpft, können die Leistungen zwar weiterhin erbracht werden, werden aber schlechter vergütet.
Übertragen auf Kinderarztpraxen
Eine Kinderarztpraxis kann nicht sagen:
„Leider hatten wir in diesem Quartal schon zu viele kranke Kinder. Bitte kommen Sie nächstes Quartal wieder."
Kinder müssen untersucht, geimpft, beraten und behandelt werden – unabhängig davon, ob die Zahl der Patienten höher ist als im Vorjahr.
Genau deshalb sehen viele Kinder- und Jugendärzte das GKV-Spargesetz kritisch:
Mehr Kinder versorgen, mehr Vorsorgen durchführen und mehr Patienten behandeln soll künftig nicht mehr automatisch zu einer vollständigen Vergütung führen.
Oder anders gesagt:
Der Bäcker backt mehr Brot, versorgt mehr Menschen – bekommt für einen Teil der zusätzlichen Brote aber weniger Geld als im Jahr zuvor. Das spart nicht am Mehl, nicht an den Energiekosten und nicht am Personal. Es spart lediglich bei der Vergütung derjenigen, die die Versorgung leisten.